• „Wir brauchen einen reinen Tisch“ IOC-Vize Bach über die Skandale bei Leipzigs Olympiabewerbung

Sport : „Wir brauchen einen reinen Tisch“ IOC-Vize Bach über die Skandale bei Leipzigs Olympiabewerbung

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Herr Bach, sollte Leipzig seine Olympiabewerbung zurückziehen?

Nein. Die Stadt hat ein gutes Konzept.

Aber seit Wochen tritt ein Olympiamanager nach dem anderen zurück …

Leipzig muss sofort reinen Tisch machen. Die Aufklärung finanzieller Ungereimtheiten ist dringend geboten. Der Tisch muss sauber sein, damit die Bewerbung Aussicht auf Erfolg haben kann.

Wie lange darf sich die Stadt Leipzig mit der Aufklärung Zeit lassen?

Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der Bewerbungsgesellschaft in zehn Tagen muss ein Neuanfang gestartet werden. Sonst entwickelt sich eine Eigendynamik, die nicht mehr zu stoppen ist.

Können Sie sich eine Olympiabewerbung ohne Wolfgang Tiefensee vorstellen?

Herr Tiefensee ist eine Symbolfigur. Aber niemand ist unersetzlich. Herr Tiefensee ist im internationalen Sport nicht so bekannt.

Wie hoch ist der internationale Schaden der Leipziger Querelen?

Im Internationalen Olympischen Komitee wird sehr genau beobachtet, ob die Olympiastädte korrekt mit Geld umgehen. Das gilt erst recht seit dem Finanzskandal von Salt Lake City. Inzwischen werden die Bewerbungen von unabhängigen Prüfern analysiert. Das IOC legt äußersten Wert auf ein ordentliches und unangreifbares Finanzgebaren.

In Leipzig wurden Provisionen aus städtischen Geldern gezahlt. Das ist angreifbar.

Deshalb muss da schnell aufgeräumt werden. Für uns als IOC ist das eine Vertrauensfrage. Schließlich vertrauen wir einer Stadt unser wichtigstes Ereignis an: Olympia. Und wir überweisen der Stadt Finanzmittel in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Da will man natürlich volles Vertrauen haben, dass mit diesem Geld korrekt umgegangen wird.

Wie viel Vertrauen hat Leipzig verloren?

In der Bevölkerung ist die Zustimmung zu Leipzig sicher nicht gestiegen. Aber genau diese Zustimmung ist entscheidend für eine Bewerbung. Ohne nationale Begeisterung gibt es kein Olympia in Leipzig.

Kann sich der Sport für Leipzig begeistern?

Der Sport hat sich auf der Vollversammlung des Nationalen Olympischen Komitees zu Leipzig bekannt.

Sportbund-Chef von Richthofen tat das nicht. Er drohte damit, die „Reißleine zu ziehen“.

Ich will mich nicht zu einzelnen Personen äußern. Dennoch: An der Unterstützung des Sports darf es keinen Zweifel geben, sie darf nicht auf das NOK beschränkt bleiben. Es muss einen Schulterschluss in Sport und Politik geben, der länger hält als drei Tage.

Das Gespräch führte Robert Ide.

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