Sport : „Wir helfen uns selbst“

Die Eisbären erklären ihre Streitereien für beendet – und hoffen auf einen Sieg gegen Frankfurt

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé und Peter John Lee sitzen nebeneinander, lächeln beide. Die Männer von der Selbsthilfegruppe demonstrieren Harmonie. Gestritten haben sie sich bei den Eisbären, Trainer gegen Manager, jeder gegen jeden, weil sich der Erfolg beim Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) diese Saison nicht einstellen will. Nun aber soll vieles besser werden. „Schließlich haben wir viel miteinander diskutiert“, erzählt Pagé. Die Augen des Trainers wirken müde. Manager Lee scheint derweil in Gedanken versunken. Doch dann wischt er energisch nicht vorhandene Krümel von der weißen Tischdecke. Der Mann will reinen Tisch machen und sagt, dass der Streit der Klubverantwortlichen um den Fitnesszustand der Spieler beigelegt sei. Mit welchem Ergebnis, sagt er nicht, dafür weiß er, „dass die Situation nicht gut ist“. Aber alle wüssten das. „Wenn einer bei uns sagen würde, dass der elfte Tabellenplatz in Ordnung ist, dann hätten wir ein Problem.“

Den Tabellenplatz findet bei den Eisbären natürlich keiner gut und so kommt mitten in der Hauptrunde jedem Spiel viel Bedeutung zu, auch dem heutigen gegen die zuletzt starken Frankfurt Lions (19.30 Uhr, Sportforum). Deren Manager Karl-Heinz Fliegauf vermutet: „Die Berliner werden mit aller Macht um die Punkte kämpfen.“ Das werden sie wohl, obwohl sie das im Einzelnen nicht so sagen. „Hoffentlich spielen wir gegen Frankfurt gut“, wünscht sich etwa Denis Pederson. Hoffentlich, sagt der Stürmer, der in der Vergangenheit bei den Eisbären immer ein Vorbild an Entschlossenheit war. Gestern nach dem Training aber schaut Pederson so, als ob er Zweifel an der Stärke seines Teams hat. Der Kanadier ist nach seinem geplatzten Comeback in der National Hockey-League (NHL) erst seit drei Spielen wieder in Berlin und wundert sich: „Hier hat sich definitiv etwas verändert, das spürst du, wenn du in die Kabine gehst. Aber ich weiß nicht, warum das so ist.“ Doch Pederson wäre nicht Pederson, wenn er aufgeben würde. „Lasst uns kämpfen“, sagt er, „so wie das Frankfurt erwartet.“

Kämpfen und weniger diskutieren, findet Pagé, sei keine schlechte Idee. „Ich habe in den vergangenen Wochen zu viel gesagt, und wir haben hier zu wenig gemacht.“ Da sieht sein Manager dann aber Erklärungsbedarf. „Wenn du zu Hause einen Streit mit deiner Frau hast, dann hast du keine 14 Zeitungen, die dann darüber schreiben“, sagt Lee. Alle müssten im Klub lernen, dass sie mit ihren Äußerungen vorsichtiger umgehen, ist des Managers Botschaft.

Damit aber sind die Probleme der Eisbären noch nicht gelöst. Die Dinge wollen beim Meister zurzeit nicht so klappen wie in der Vergangenheit. Die Stürmer treffen gegen gute Gegner nicht, die Abwehr ist löchrig, das offensive Spielsystem der Eisbären ist berechenbar und von 24 Spielen wurden 15 verloren. „Personelle Konsequenzen sind aber kein Thema“, sagt Sprecher Moritz Hillebrand, bevor jemand danach fragt. Trotz der Diskussionen der jüngsten Tage – es gibt wohl noch viel zu besprechen in der Selbsthilfegruppe Eisbären.

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