Sport : Wissen, wie es geht

Alexander Wolf entwickelt sich mit 26 Jahren langsam zu einer Größe im deutschen Biathlon

Helen Ruwald

Berlin - 200 Fans waren im Biathlon-Stadion von Lahti, als Alexander Wolf das Sprintrennen gewann. Begeistert bejubelt haben dürfte ihn vor der dürftigen Kulisse kaum jemand. Für Wolf war es dennoch ein denkwürdiger Tag - er feierte in Finnland im Winter 2003 seinen ersten und bislang einzigen Weltcupsieg. Zwei Jahre zuvor hatte es schon einmal zu Platz drei gereicht, doch „am schönsten war es in Oberhof. Bisher haben mir hier immer die Nerven geflattert, jetzt hat es geklappt“, sagte Wolf am Sonntag.

Da hatten ihn 23 000 Fans zum dritten Platz im Verfolgungsrennen gebrüllt, hinter dem Weltcup-Gesamtführenden Raphael Poiree und Sven Fischer, dem vierfachen Sieger dieses Winters. Ein überraschendes Ergebnis – schließlich war Wolf als 14. ins Rennen gegangen, mit fast eineinhalb Minuten Rückstand auf Sprintsieger Fischer. Im Ziel setze Wolf trotz eines packenden Duells mit seinem Oberhofer Kollegen um Platz zwei noch einmal Energien frei, animierte die Fans zur Welle und winkte strahlend.

Mit immerhin schon 26 Jahren könnte sich Wolf nach dem Karriereende von Frank Luck und Peter Sendel zu einer neuen Größe im deutschen Biathlon entwickeln. Bundestrainer Frank Ullrich setzt den Thüringer heute beim Staffelrennen in Ruhpolding (17.20 Uhr, ZDF live) als Startläufer ein, zusammen mit den Weltmeistern Ricco Groß, Sven Fischer und Michael Greis. In Oberhof hatte noch der junge Daniel Graf sein Debüt in der Staffel gegeben – zum Leid von Wolf. „Ich hatte davor mit Ullrich über die Staffel gesprochen“, sagt Wolf, „er hat gesagt, wenn die Einzelergebnisse stimmen, kommt die Staffel ganz von allein.“ Nach Grafs 20. Platz am Sonntag ist sie nun da, die Chance für Wolf. Bei der WM vor einem Jahr in Oberhof wurde er beim einzigen Start 53., im Gesamtweltcup belegte er zuletzt Rang 28. Auch in diese Saison war er mit hinteren Platzierungen gestartet, doch in Oberhof sicherte er sich nun die WM-Qualifikation. Läuferisch hat sich der Polizeimeister enorm gesteigert, am Sonntag wehrte er selbst den Angriff von Norwegens Star Ole Einar Björndalen ab. Er teilte sich das Rennen taktisch klug ein und widerstand der Versuchung, wegen der tobenden Fans wie früher zu schnell anzugehen. „Vielleicht habe ich es jetzt umrissen, wie es geht“, sagte Wolf. Die Staffelkollegen würde es freuen.

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