WM 2014 - ARD und ZDF : „Olli Kahn gibt’s gratis dazu“

Anderswo gibt es die Fußball-WM offiziell nur im Pay-TV – ARD und ZDF fahren deswegen interkontinentale Traumquoten ein, nicht nur bei den Deutschlandspielen.

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Gebührenfrei genießen. Diese Herren in der Altstadt von Doha können sich Fußball im Pay-TV locker leisten
Gebührenfrei genießen. Diese Herren in der Altstadt von Doha können sich Fußball im Pay-TV locker leistenFoto: imago sportfotodienst

Überall läuft ARD und ZDF. In Zeiten der Fußball-WM zumindest. Und das nicht nur in Deutschland. In Straßencafés in Casablanca, in Wohnzimmern in Benghasi, unter den Palmen auf den Kanarischen Inseln, auf Bildschirmen in Athen oder Marseille schauen die Menschen Fußball. Auf Deutsch. Die Fifa vergibt die Übertragungsrechte an ihrem Turnier an den Höchstbietenden. In vielen Ländern gingen die Rechte wieder an Bezahlsender. Wer in Griechenland oder in Nordafrika die Partien aus Brasilien sehen möchte, muss zahlen, oft ein teures Abo abschließen. In einigen Ländern werden nur (Vorrunden-)Spiele mit dem jeweiligen nationalen Team und das Finale im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt, so zum Beispiel in Frankreich oder Italien. Wer dort lebt, sich aber einer anderen Mannschaft verbunden fühlt, hat Pech gehabt.

„Bein Sports“ gehört zum katarischen Medienkonzern rund um den Nachrichtensender Al Dschasira. Das Unternehmen hält die Übertragungsrechte an der laufenden WM für die arabischen Länder und für die meisten Spiele auf dem französischen Fernsehmarkt. Beim Sportsender aus Katar müssen Zuschauer in Nordafrika und im Nahen Osten umgerechnet 180 Euro für 12 Monate Sportprogramm bezahlen. Das WM-Paket für drei Monate kostet 100 Euro, den nötigen Receiver für den Empfang nicht im Preis inbegriffen. Zwischen 70 und 300 Euro kostet das Gerät, je nach gewünschter Hardware-Ausstattung. Dazu braucht man auch eine Satellitenschüssel samt Zubehör. Kein Problem für Scheichs. Bei einem Durchschnittseinkommen von ungefähr 85 Euro pro Monat und Haushalt in Mauretanien zum Beispiel schauen viele andere arabische Fußballfans aber in die Röhre. Für Besitzer kleiner Cafés bliebe Fußball ebenfalls unerschwinglich, wären da nicht ARD und ZDF.

Im Arabischen heißt es "ZEDEF"


Schon bei den letzten Weltmeisterschaften 2006 und 2010 schalteten Millionen Menschen in Nordafrika das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus Deutschland ein. Dass sie die Kommentare und Spielanalysen zwischendurch nicht verstehen, macht vielen Fans wenig aus. Sie analysieren und kommentieren selbst. Hauptsache, der Ball rollt gratis über den Bildschirm. Sogar Versuche, die deutschen Programme zu verschlüsseln, umgingen arabische Hacker im Nu. Deswegen brach nicht nur digitaler Jubel im Internet aus als eine Meldung die Runde machte: „Wir haben Katar besiegt im Sinne der armen Zuschauer“, wurde ZDF-Intendant Thomas Bellut im arabischen Nachrichtensender Al Arabiya zitiert. Eine Falschmeldung, wie sich herausstellte. Das ZDF dementierte sofort, dass sein Programm für alle gedacht sei. Doch die erfundenen Intendantensätze blieben im Netz hängen: „Der Fußball ist der Sport der Armen. Deswegen werden wir die Spiele in alle Länder dieser Welt übertragen.“ Die Verantwortlichen bei ARD und ZDF wirken bei diesem Thema genervt. Das bekommen arabische Fußballfans aber nicht mit. Sie feiern, vor allem das ZDF (im Arabischen als zusammenhängendes Wort ausgesprochen) in sozialen Medien als Helden des kleinen Fußballfans.

„ARD und ZDF leiten ihre Rechte zur Ausstrahlung von Spielen der Fußballweltmeisterschaft 2014 aus einer vertraglichen Vereinbarung mit der Fifa ab“, heißt es auf Anfrage aus Mainz. „Diese schließt die unverschlüsselte Satellitenausstrahlung über Astra als einen der wesentlichen Verbreitungswege in Deutschland von ARD und ZDF mit ein“, teilt das ZDF weiter mit. Der Satellit „Astra 1N“ deckt ganz Europa und Nordafrika ab. Die Rechte für andere Satelliten und Sendegebiete haben ARD und ZDF nicht bekommen. Über den Satelliten Eutelsat-Hotbird werden deswegen Ersatzprogramme übertragen, während in Brasilien Fußball gespielt wird. So bekommen die Zuschauer in Asien oder im übrigen Nahen Osten den Spartensender ZDFneo zu sehen, immer dann, wenn gekickt wird. Dort können und werden die Fans aber wohl auf frei empfangbare iranische, aserbaidschanische oder georgische Sender ausweichen.

Ein Geschenk für alle Fußballliebhaber

Die Fifa erfreut die Traumquoten für die deutschen Sender wenig. „ARD und ZDF haben die Übertragungsrechte nur für das deutsche Staatsgebiet erworben“, heißt es aus dem Schweizer Hauptquartier. „Der exklusive Medienpartner der Fifa und Rechteinhaber der WM im Nahen Osten und Nordafrika ist Bein Sports.“ Der Sender selbst verweist auf die Stellungnahme der Fifa. Als Reaktion auf die massive Kritik schnürte „Bein Sports“ aber ein „Geschenkpaket für alle arabischen Fußballliebhaber“: 22 Partien möchte der Sender kurzfristig nun doch für alle verfügbar ausstrahlen. Welche das sind, ist noch nicht klar. Deswegen schauen viele Araber weiterhin ARD und ZDF. „und Olli Kahn gibt’s gratis dazu“, freut sich ein algerischer Fußballfan im Internet mit dem Pseudonym „ILoveGermanTV“.

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