WM 2014 - Ron Vlaar und sein Elfmeter : Ein fast historischer Moment

Aufnahmen zeigen, dass Ron Vlaars Fehlschuss im Elfmeterschießen gegen Argentinien beinahe doch gar keiner gewesen wäre. Es hätte die Szene des Turniers sein können - um ein Vlaar.

Stephan Reich
Hier sieht ganz eindeutig aus. Vlaar verschießt, Romero hält. Aber die Szene ist damit noch nicht vorbei.
Hier sieht ganz eindeutig aus. Vlaar verschießt, Romero hält. Aber die Szene ist damit noch nicht vorbei.Foto: AFP

Der ganz große Wurf wird Khalid Askri wohl nicht mehr gelingen. Der marokkanische Fußballtorwart ist mittlerweile 33 Jahre alt und blickt auf eine mediokre Karriere bei FAR Rabat, Chabab Rif Al Hoceima und Raja Casablanca zurück, die so langsam dem Ende entgegentrudelt. Aber falls, nur falls Askri durch eine Verkettung irgendwelcher Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle, durch höhere Fügung oder einfach durch einen erstaunlichen zweiten Frühling doch noch ein international bedeutsamer Keeper werden sollte, dieser eine Fehler würde auch das überschatten.

Askri ist jener Torwart, dessen Video bis heute über zehn Millionen mal bei Youtube geklickt wurde. In dem kleinen, verpixelten Clip taucht der Keeper nach einem Elfer im Elfmeterschießen eines marokkanischen Pokalspiels anno 2010. Askri pariert den Schuss nach vorne, dreht sich triumphierend zur Kurve und schlägt sich voller Stolz auf das Vereinswappen, während im Hintergrund der Ball unter dem Effet von Askris Fäusten in einer unmöglichen Flugkurve doch noch ins Netz springt (siehe Video 1).

Dumm gelaufen, könnte man meinen, aber höchstens eine skurrile Randnotiz des internationalen Fußballs, die man wegklickt und vergisst, nachdem man kurz darüber geschmunzelt hat. Nun aber tauchten Aufnahmen vom Elfmeterschießen zwischen Holland und Argentinien auf, die etwas ganz Ähnliches zeigen. Fehlschütze Ron Vlaar schießt Sergio Romero an, es ist der erste Elfmeter, halbhoch, halbrechts, ein insgesamt schwacher Versuch. Der Ball fliegt ins Feld und dreht sich von dort zurück zum Tor, wo er auf der Linie liegen bleibt. Oder dahinter gar (siehe Video 2)?

Vlaar reklamiert kurz, auch seine Teamkollegen an der Mittellinie zeigen zum Ball, dann senken sich die Köpfe und der Mitschnitt bricht ab. Und die Diskussionen beginnen. Im Internet, der vielleicht einzigen Sache auf der Welt, die noch schnelllebiger ist als der Fußball, war reflexhaft von einem Wiederholungsspiel die Rede, einem Skandal, immer diese Fifa. Die Entrüstung ebbte jedoch schnell wieder ab, denn Aufnahmen aus einer anderen Perspektive zeigen, dass der Ball die Torlinie nicht überquert, sondern darauf liegen bleibt (siehe Video 3).

Das machte dann auch die Frage obsolet, ob Vlaar den zurückspringenden Ball mit der Schulter berührt hat, wie wiederum andere Aufnahmen nahelegten. Dann hätte der Versuch ohnehin nicht gezählt, denn Nachschuss gibt es bei einem Elfmeterschießen freilich nicht. Aber: Die Flugbahn des Balles muss vom Schiri abgewartet werden, was Vlaars Fast-doch-nicht-Fehlschuss-Fehlschuss um ein Haar zu der Szene der WM gemacht hätte. Denn wäre der Ball über die Linie gerollt, hätte der Versuch gezählt und das Elfmeterschießen einen anderen Verlauf nehmen können. In welchem Falle Sergio Romero der Depp des Turniers, des Internets, ja der ganzen Welt gewesen wäre.

Khalid Askris Team schied damals übrigens im Elfmeterschießen aus, der Keeper verließ den Verein wenig später, der Fehler hängt ihm immer noch nach. Romero ist einem ähnlichen Schicksal knapp entgangen, um wenige Zentimeter und aller Entrüstung im Internet zum Trotz.

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