WM 2014 : Spaniens Problem heißt jetzt Xavi Hernandez

Xavi Hernandez war viele Jahre das Gesicht der spanischen Nationalmannschaft. Er spielte sagenhafte Pässe, bestimmte den Rhythmus und führte das Team zu drei großen Titeln. Jetzt ist er aber zum Problem geworden.

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Götterdämmerung?
Götterdämmerung?Foto: AFP

Am Tag nach dem desaströsen 1:5 gegen die Niederlande nahm Vicente del Bosque seine beiden wichtigsten Spieler zur Seite. Mehr als eine halbe Stunde sprach der Trainer der spanischen Nationalmannschaft mit Iker Casillas und Xavi Hernandez über die Gründe der Niederlage. Sehr angeregt, wie Augenzeugen bestätigen.

Es wird bei der Unterredung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur um das vergangene Spiel gegangen sein, sondern auch um das kommende. Am Mittwoch trifft Spanien in Rio de Janeiro auf Chile. Alles andere als ein Sieg würde wohl das frühe Aus für den Weltmeister bedeuten. Zur Verhinderung dieser Schmach hat del Bosque gegen Chile „einige Änderungen“ angekündigt. Welche das sein werden, darüber rätselt dieser Tage ganz Spanien. Bayerns Javi Martinez könnte anstelle von Gerard Pique in der Innenverteidigung auflaufen. Auch Juanfran gilt als Kandidat für die Startelf anstelle von Cesar Azpilicueta.

Gemessen am Spiel gegen die Niederlande müsste del Bosque aber auch Andres Iniesta oder seine beiden Kapitäne draußen lassen. Casillas und Xavi gehörten zu den Hauptschuldigen des Debakels. Nun gilt del Bosque als ein durch und durch loyaler Trainer, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er sich tatsächlich zu solch einer radikalen Maßnahme hinreißen lässt. Im Fall von Xavi wäre es jedoch ratsam, zumindest über eine Pause für den Mittelfeldspieler vom FC Barcelona nachzudenken.

Xavi befindet sich im Winter seiner Karriere

Xavi Hernandez, inzwischen 34 Jahre alt, ist zum Problem für del Bosque geworden. Spieler und Trainer verbindet ein inniges Verhältnis, über viele Jahre war Xavi der Taktgeber des spanischen Spiels und del Bosques verlängerter Arm auf dem Spielfeld. Er bestimmte den Rhythmus, reihte Pass an Pass und wurde so zum Symbol des spanischen Spielstils, im Ausland Tiki-Taka genannt. Ihren gemeinsamen Höhepunkt erlebten sie vor vier Jahren in Südafrika, als Spanien zum ersten Mal Weltmeister wurde. Vor allem dank Xavis genialer Ideen.

Bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren zeigten sich jedoch erste Verfallserscheinungen. Xavi zeigte einige Spiele, in denen er nicht mehr an sein früheres Niveau heranreichte. Wenn es wichtig wurde, etwa im Finale gegen Italien, war aber auf ihn Verlass.

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Diese wichtigen Momente sind inzwischen selten geworden. Xavi ist kaum noch in der Lage, zwei Spiele in Folge auf hohem Niveau zu bestreiten. Er befindet sich nicht im Herbst, sondern im Winter seiner Karriere. Anders als der Italiener Andrea Pirlo, der auch im Alter von 35 Jahren noch wie ein Jungbrunnen wirkt, ist Xavis Körper zerschunden. Seit langer Zeit schiebt er dringend benötigte Achillessehnenoperationen auf und lässt sich spritzen. Auch der Rücken verursacht Beschwerden.

Um die körperlichen Defizite wusste Gerardo Martino, als er im vergangenen Sommer Trainer bei Xavis Klub FC Barcelona wurde. Martino wollte seinen Regisseur schonen und setzte ihn häufiger auf die Bank. Gegen Ende von Martinos Amtszeit galt ihr Verhältnis als zerrüttet, Martino wurde entlassen. Nachfolger Luis Enrique hat für die Zeit nach der WM ein weiteres Gespräch mit dem Passmeister angekündigt. Es ist keineswegs sicher, dass es für Xavi in Barcelona weitergeht.

Spanien lechzt nach einem personellen Umbruch

Auch in der Nationalmannschaft kam es zu Unstimmigkeiten. Vor dem Confed-Cup im vergangenen Jahr beschwerte sich del Bosques Co-Trainer Toni Grande in einem Interview. „Er kann nicht schweigen. Xavi sagt uns stets, mit wem er gerne zusammenspielen möchte und mit wem nicht. Er ist ständig wegen dieser Dinge besorgt.“ Grande entschuldigte sich zwar später, bestritt seine Aussagen aber nicht.

Zuletzt sorgte Xavi für Irritationen, als er entgegen früherer Aussagen andeutete, sich ein Weitermachen im Nationalteam nach der WM vorstellen zu können.

Dabei lechzt Spanien nach einem personellen Umbruch. An die Stelle von Xavi soll Thiago Alcantara vom FC Bayern treten, er fehlt bei der WM wegen einer Verletzung. Oder Koke, 22 Jahre altes Mittelfeldtalent von Atletico Madrid. Ihn fordern viele Fans und Medien anstelle von Xavi gegen Chile. Im Frühjahr sagte Xavi über Koke: „Er ist dazu bestimmt, Spaniens Taktgeber für die kommenden zehn Jahre zu sein.“ Bevor Vicente del Bosque den Generationswechsel vollziehen kann, erwartet ihn eine schwierige Aufgabe: Er muss Xavi vom Rücktritt überzeugen.

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