Sport : WM-Auslosung: Ode an das Glück

Bei feierlichen Veranstaltungen mit weltweiter Anziehungskraft wird die "Ode an die Freude" immer wieder gern aufgelegt. Zumindest für die deutschen Fußballfans war Beethoven gestern die richtige Wahl. Sie durften sich über die WM-Auslosung in Busan und über ihr großes Glück herzlich freuen. Nach der Qualifikation im letzten Moment hat der dreimalige Weltmeister in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 2002 mit Saudi-Arabien, Irland und Kamerun vergleichsweise leichte Gegner erwischt. "Unser Ziel ist das Achtelfinale. Ich bin optimistisch, dass wir das packen können", sagte Teamchef Rudi Völler. Zugleich warnte der Weltmeister von 1990: "Ich will nicht tiefstapeln. Aber Kamerun ist mit Abstand die beste Mannschaft Afrikas, und Irland hat immerhin die Holländer in der Qualifikation hinter sich gelassen."

Als großer Fußballfan reagierte Gerhard Schröder rasch. "Deutschland kann mit der Auslosung sehr zufrieden sein", sagte der Bundeskanzler. "Es hätte viel schlimmer kommen können." Auch die Ehrenspielführer der Nationalmannschaft sehen die Elf des Deutschen Fußball-Bundes schon im Achtelfinale. "Man soll ja keinen Gegner unterschätzen - aber das müssten wir schaffen", meinte Fritz Walter, der Deutschland 1954 zum ersten Titel geführt hatte. Und Franz Beckenbauer, Weltmeister von 1974 und Teamchef beim Titelgewinn 1990, sagte: "Ernst nehmen muss man alle Gegner. Aber in dieser Gruppe ist das Weiterkommen für eine deutsche Mannschaft ganz einfach Pflicht. Wenn sie die Vorrunde nicht übersteht, dann können wir zusperren."

Der Franzose Michel Platini bescherte der DFB-Auswahl Saudi-Arabien als Auftaktgegner am 1. Juni in Sapporo. Irland wurde den Deutschen vom brasilianischen Weltstar Pelé zugelost. Die Iren sind am 5. Juni in Ibaraki zweiter Gegner der Deutschen, die dann am 11. Juni im letzten Gruppenspiel in Shizuoka Länderspielpremiere gegen Kamerun feiern. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit dem früheren Bundesliga-Profi und -Trainer Winfried Schäfer. "Wir wollten eigentlich nicht zusammengelost werden", sagte der ehemalige Trainer von Tennis Borussia. Schäfer teilte die Einschätzungen der deutschen Beobachter nicht: "Es ist eine sehr schwere Gruppe. Jetzt müssen wir halt beide weiter kommen."

Ein für Mai in Deutschland geplantes Testspiel gegen Kamerun wurde sofort abgesagt. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestreitet nun am 17. April in Stuttgart ein Testspiel gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien. Darauf einigten sich beide Fußball-Verbände nach der Auslosung. Bei der Weltmeisterschaft können beide Mannschaften erst im Endspiel aufeinander treffen. Das ursprünglich für den 17. April angesetzte Länderspiel gegen Österreich wird während der unmittelbaren WM-Vorbereitung im Mai stattfinden.

Völler wird sich bereits am heutigen Sonntag mit Bernd Pfaff und Wolfgang Wirthmann vom DFB in Japan auf Quartiersuche begeben. Voraussichtlich werden die Deutschen während der Gruppenspiele in Sendai oder in Naruta unterkommen. Sollten die Deutschen die Vorrunde der WM überstehen, müssten sie zum Achtelfinale nach Südkorea reisen. Auch Viertel- und Halbfinale müsste die DFB-Auswahl dort austragen. Nicht nur auf Argentinien, sondern auch auf die Favoriten Brasilien und Frankreich könnte Deutschland frühestens im Finale am 30. Juni in Yokohama treffen. Schon in der Generalprobe für die Auslosung hatte sich am Vormittag in Busan ein Glückslos für die Deutschen angekündigt. Da wurden Costa Rica, Slowenien und Saudi-Arabien gezogen.

In der von Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Riffinen geleiteten Auslosung in Busan traf es England, den Sieger der deutschen Gruppe in der WM-Qualifikation, besonders hart. Der Weltmeister von 1966 muss in der Gruppe F einen der beiden Achtelfinal-Plätze gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien sowie Schweden und Nigeria erobern. Die Endrunde wird am 31. Mai in Seoul mit dem Spiel zwischen Titelverteidiger Frankreich und dem erstmals qualifizierten Senegal eröffnet.

Der Spielplan der WM wird endgültig erst am Sonntag feststehen. In der Nacht trafen sich Vertreter des Weltfußball-Verbandes Fifa und der Fernsehanstalten zu Beratungen. Möglich sind kleinere Korrekturen bei den Anstoßzeiten, um die WM-Begegnungen möglichst in allen Ländern zur besten Fernsehzeit übertragen zu können.

Nachdem Beethoven verklungen war, hatten gestern in Busan zwei eigens für die Weltmeisterschaft komponierte Stücke Premiere: die WM-Hymne des griechischen Oscar-Preisträgers Vangelis und der WM-Song "Boom" des amerikanischen Soul-Stars Anastacia. Fußball- und Showstars durften sich in der Bexco Exhibition Hall von Busan einigermaßen sicher fühlen: Rund 3500 geladene Gäste wurden von mehr als 2000 Polizisten und Sicherheitskräften bewacht.

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