WM-Kampf im Schwergewicht : Boxer im DFB-Trikot

Auf den ersten Blick sah er ein bisschen aus wie Gerald Asamoah, doch es war Schwergewichtsboxer Samuel Peter, der im Deutschlandtrikot um Sympathien für seinen WM-Kampf gegen Witali Klitschko warb.

Sven Goldmann
Boxen - Training Vitali Klitschko - Samuel Peter
Schläger im DFB-Dress. Am Sonnabend boxt Samuel Peter in Berlin gegen Witali Klischko.Foto: dpa

 Lange nichts mehr gesehen von Gerald Asamoah. Plötzlich steht er da, mit schwarzer Hose, weißem Trikot und schwarz-rot-goldenen Streifen, scheint ein bisschen zugelegt zu haben, und was macht er eigentlich hier in einem Berliner Autosalon, wo sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft doch in Düsseldorf trifft?

Nein, der Mann ist gar nicht Gerald Asamoah. Er spielt auch nicht Fußball, jedenfalls nicht professionell. Dafür boxt dieser Samuel Peter ganz gut, es reicht immerhin zur Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBC. Am Samstag wird er in den Ring der Arena am Ostbahnhof steigen und seinen Titel gegen Witali Klitschko verteidigen.

Der Kartenverkauf läuft schleppend. Kaum einer kennt den Nigerianer

Der Mann, der auf den flüchtigen Blick so aussieht wie der Schalker Fußballprofi Asamoah, dürfte bei den Berlinern nicht ganz so beliebt sein wie der Werbeheld Klitschko. Also hat er bei seinem PR-Auftritt das Deutschlandtrikot übergezogen und trommelt sich mit seiner Linken immer wieder auf den Bundesadler links oben auf der Brust. „Samuel loves Germany“, sagt Peters Promoter Dino Duva, deswegen trage er eine „Deutschländ-Soccer-Fußball-Uniform“. Die geschätzt 1000 Zuschauer applaudieren brav.
Samuel Peter kommt aus Nigeria und gilt als die große, junge Hoffnung des Schwergewichts. Das Problem ist nur, dass ihn hier kaum einer kennt, weswegen der Kartenverkauf etwas schleppend verläuft. Von 11 000 Tickets waren gestern noch 3000 zu haben. Der Kampf hat seinen Preis, auch New York und Los Angeles hätten ihn gern veranstaltet. Klitschkos Vermarktungspartner und der übertragende Sender RTL aber wollten unbedingt nach Berlin, wo die Kaufkraft allerdings ein wenig geringer ist.

Also hat der Veranstalter die restlichen Karten der mittleren Kategorien zum Preis von 99 Euro auf den Markt geworfen. Interessiert den Weltmeister alles nicht. Samuel Peter stampft durch den Ring und hämmert die Fäuste in die Pratzen, die Schlagpolster seines Trainers. Unten im Publikum steht Wladimir Klitschko, Witalis jüngerer Bruder, und schaut interessiert zu. Das heißt, er würde gerne zuschauen, kommt aber nicht dazu, weil ihn alle zehn, zwanzig Sekunden junge Bewunderinnen um ein Foto mit der Handykamera bitten.

Nur Witalis Bruder Wladimir konnte Samuel Peter bisher besiegen

Wladimir Klitschko ist der bislang einzige Boxer, der Samuel Peter besiegt hat. Vor drei Jahren in Atlantic City, es war ein mühsamer Sieg nach Punkten und Peters rechte Faust hatte ihn dreimal in den Ringstaub geschickt. Nach der kurzen Schaueinlage steigt Peter hinab, und der kleine Klitschko tippt ihm an die Brust. „Hi Samuel, long time no see.“ – „Yes, very long.“ Genug geplaudert, der Weltmeister will zurück ins Hotel.

Jetzt steigt Witali Klitschko in den Ring. Sein Trainer Fritz Sdunek wirft ihm Tennisbälle zu, die ersten drei fängt er, den vierten lässt er fallen, und Sdunek legt die Bälle schnell zur Seite. Klitschko ist sein eigener Moderator, er erzählt Anekdoten und bittet das Publikum um Unterstützung.

Es wirkt beinahe so, als wolle er nach knapp vier Jahren Pause im Ring ablenken von all dem, was ihn optisch von seinem Gegner unterscheidet. Der promovierte Sportwissenschaftler aus der Ukraine wirkt gegen den bulligen Straßenkämpfer aus Nigeria wie ein schmales Bürschchen. Witali Klitschko stampft auch nicht durch den Ring sondern tänzelt, nein: tanzt zu der Melodie, die ihn am Samstag in den Ring begleiten wird. „Hell’s Bells“, die Hymne von AC/DC an die Glocken der Hölle. Na, das kann ja heiter werden, in der Nacht von Samstag zu Sonntag am Ostbahnhof.

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