WM-Kampf von Arthur Abraham : Alle boxen gegen Donald Trump

Arthur Abraham will in der Nacht zu Sonntag der erste deutsche Boxer werden, der Las Vegas als Sieger verlässt. Nebenbei gerät sein Duell mit Gilberto Ramirez sogar in den US-Wahlkampf.

Hartmut Scherzer
Miteinander, gegeneinander. Arthur Abraham (links) will seinen WM-Titel gegen Gilberto Ramirez verteidigen. In Las Vegas gibt es aber noch einen unsichtbaren Feind.
Miteinander, gegeneinander. Arthur Abraham (links) will seinen WM-Titel gegen Gilberto Ramirez verteidigen. In Las Vegas gibt es...Foto: dpa

„Trump? Da bin ich raus. Das ist Sache der Mexikaner“, sagt Arthur Abraham. Der Wahlkampf in den USA und die Boxkämpfe in Las Vegas an diesem Samstag sind miteinander verflochten seit den Hetztiraden des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gegen mexikanische Immigranten („Alles Vergewaltiger, die deportiert werden sollten“). „No Trump undercard“, Anti-Trump-Vorkampf, hat der empörte Top-Rank-Promoter Bob Arum daher die drei Hauptrahmenkämpfe mit mexikanischen Boxern überschrieben.

Die drei „No Trump fights“ werden vor Manny Pacqiaos Abschiedskampf (Börse 20 Millionen Dollar) gegen den alten Rivalen Tim Bradley ebenfalls im amerikanischen Bezahlfernsehen von HBO gezeigt. Darunter die WBO-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht – Arthur Abraham, 36, gegen den Pflichtherausforderer Gilberto Ramirez, 24 (Sky zeigt die Kämpfe ab 2 Uhr nachts als Pay-per-View-Angebot). „Es ist eine gute Gelegenheit, mit meinen drei mexikanischen Jungs die Stimmung gegen Trump zu symbolisieren“, sagt Arum. Der amerikanische Olympia-Teilnehmer Jose Ramirez und der zweimalige mexikanische Olympiaboxer Oscar Valdes sind die beiden anderen Anti-Trump-Fighter.

Über eine Stunde musste sich Abraham im Media Center des MGM Grand anhören, wie Arum die Pressekonferenz des Anti-Trump-Vorkampfs mitunter politisch moderierte. In jedem Interview und bei jedem Fernsehauftritt hatte er zuletzt gewarnt: „Trump ist kein Witz. Nehmt ihn ernst. Dieser Mann ist gefährlich.“ Am Rednerpult geißelte Arum erneut den Rüpel-Milliardär: „Trump ist ein Rassist und will die hispanische Immigration ausrotten.“ Dann beugte sich der Promoter zum neben dem Pult vor seinem WBO-Gürtel sitzenden Abraham hinunter. „So wie die Türken vor hundert Jahren die Armenier.“ Der gebürtige Armenier Abraham sagte später: „Dass Arum auf diese ganz traurige Geschichte vom Genozid hingewiesen hat, das hat mich gefreut.“

Ramirez ist nach 33 Kämpfen noch unbesiegt

Um Aufmerksamkeit für seine „No Trump Kampagne“ im Boxring zu gewinnen, brauchte Arum unbedingt Gilberto Ramirez und diese Weltmeisterschaft als zweiten Hauptkampf, war aber bei deren Versteigerung vom Team Sauerland überboten worden. „Wir haben danach verhandelt und entschieden, den Kampf nicht in Deutschland zu bringen, sondern nach Las Vegas zu geben“, sagte Jung-Promoter Kalle Sauerland. Das hatte natürlich seinen Preis: Abraham bekommt 1,4 Millionen Euro.

Arum, der vor fünfzig Jahren als Muhammad Alis Rechtsanwalt ins Boxgeschäft eingestiegen war, sieht in dem 1,89 Meter langen Ramirez, einem in 33 Kämpfen unbesiegten Rechtsausleger, die Reinkarnation der argentinischen Mittelgewichtslegende Carlos Monzon. Der 84-jährige Arum beugt aber schon mal vor, der Kampf gegen den routinierten Abraham (44 Siege, 4 Niederlagen) könnte noch zu früh sein: „In zwei, drei Jahren wäre ich mir hundertprozentig sicher, dass Ramirez gewinnt.“

Ein hoch motivierter Abraham ist felsenfest davon überzeugt, in Las Vegas sein Glück zu machen. Als letzter Redner kündigte er an: „Es wird eine Schlacht geben, wie sie Amerika noch nicht gesehen hat. Egal, wie gut Ramirez auch ist, wie schnell er sich bewegt und wie viel er schlägt, es wird gegen mich nicht reichen. Ich werde der erste Deutsche sein, der Las Vegas als Sieger verlässt.“ Unter den Zuhörern: Axel Schulz, der hier im MGM Grand vor 21 Jahren im WM-Kampf gegen George Foreman betrogen worden war.

Abraham-Trainer Ulli Wegner dachte wohl an dieses krasse Fehlurteil, als er am Rednerpult „hoch qualifizierte Punktrichter“ forderte. Dann rief der 73-Jährige mit lauter und harter Stimme in den Saal: „Wir werden siegen!“

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