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WM-Quali-Debakel : Kloses Antworten auf die Häme

17.10.2012 09:52 Uhrvon
Danke für die Vorarbeit.  Miroslav Klose feiert nach seinem ersten Treffer. Foto: dpaBild vergrößern
Danke für die Vorarbeit. Miroslav Klose feiert nach seinem ersten Treffer. - Foto: dpa

Miroslav Klose ist jetzt nur noch einen Treffer von Gerd Müllers Rekordmarke entfernt. Unabhängig davon, dass er auch mit 34 noch auf höchstem Niveau mithalten kann – vor allem seine fußballerische Entwicklung ist bemerkenswert.

Man kann von Miroslav Klose ganz sicher nicht mehr behaupten, dass sein Spiel extremen emotionalen Schwankungen ausgesetzt ist. Vielleicht war das früher einmal so, aber jetzt, im fortgeschrittenen Fußballeralter von 34 Jahren hat sich der Stürmer der deutschen Nationalmannschaft eine gewisse Unabhängigkeit von den Launen des Schicksals erarbeitet. Klose funktioniert verlässlich. Aber diese Aktion in der 18. Minute des WM-Qualifikationsspiels gegen Schweden ist ziemlich sicher seiner persönlichen Hochstimmung geschuldet. Torhüter Andreas Isaaksson führt den Ball durch den eigenen Strafraum, Klose läuft in einem Affentempo auf ihn zu, und dann landet der Abschlag des schwedischen Keepers tatsächlich an seinem Körper.

Es ist einfach ein Abend, an dem man lange den Eindruck hat, dass alles zu funktionieren scheint.

Nach einer Viertelstunde führen die Deutschen 2:0, beide Treffer hat Klose erzielt. Es sind seine Länderspieltore Nummer 66 und 67. Ein einziges fehlt ihm jetzt noch, um Gerd Müller einzuholen. Dass der Mann, den man den „Bomber der Nation“ genannt hat, in Kürze seinen Rekord verlieren wird, lässt sich wohl nicht mehr vermeiden. Dass Klose, dieser vorbildliche Sportler und bescheidene Mensch, ihn dann halten wird, ist mit Sicherheit nicht die schlechteste Laune des Schicksals.

Der Stürmer des italienischen Erstligisten Lazio Rom weiß seine Bilanz nämlich vor allem richtig einzuschätzen. 126 Länderspiele hat er für seine 67 Treffer gebraucht, Müller für seine 68 nicht einmal die Hälfte (62). Klose würde deshalb nie von sich behaupten, dass er der Schärfste, Tollste und Beste ist. „Niemand kann sich mit Gerd Müller vergleichen“, hat er erst am Tag vor dem Spiel gegen Schweden wieder gesagt. Da kann Uli Hoeneß noch so viel höhnen, dass Klose 80 Prozent seiner Tore gegen Liechtenstein und Co. erzielt habe. Müde sei er von dieser Debatte, hat Klose nur gesagt.

Er musste sich nicht verteidigen, das haben andere für ihn getan: Oliver Bierhoff zum Beispiel. „Schon ein bisschen abfällig“ fand der Manager der Nationalmannschaft Hoeneß’ jüngste Einlassungen zu Miroslav Klose. Eine solche Häme wird dem gebürtigen Polen und seiner Karriere tatsächlich nicht gerecht. Aus dem verhuschten Bürschlein, das Klose bei seinem Länderspieldebüt im März 2001 war, ist eine Größe des deutschen Fußballs geworden: Er kommt jetzt gleich hinter dem Rekordspieler Lothar Matthäus und dem Rekordschützen Gerd Müller.

Unabhängig davon, dass Miroslav Klose dank seiner professionellen Einstellung auch mit 34 noch auf höchstem Niveau mithalten kann – vor allem seine fußballerische Entwicklung ist bemerkenswert. Angefangen hat er als eine Art modernes Kopfballungeheuer, inzwischen ist er als spielender Stürmer für den Kombinationsfußball der Nationalmannschaft nahezu unersetzlich. Und fleißig ist er noch dazu. Gegen die Schweden gewinnt er sogar einen Zweikampf an der eigenen Eckfahne.

Bei den beiden Toren steht Klose am Ende zweier atemberaubender Pass-Stafetten. Wobei stehen eigentlich der falsche Ausdruck ist. Er läuft im richtigen Moment an den richtigen Fleck. Das letzte Zuspiel kommt in beiden Fällen von Marco Reus. Einmal vollendet Klose mit links, einmal, im Nachfassen, mit rechts. Klose und Reus – es sind genau die beiden Spieler, die bei der EM im Viertelfinale gegen Griechenland neuen Schwung ins deutsche Spiel gebracht haben und die dann beim Halbfinale wieder auf der Bank landeten.

Dass dies ein Fehler war, kann man an diesem Abend in Berlin noch einmal ahnen. Und dass dieses Trauma noch längst nicht überwunden ist, zeigt sich spätestens in der zweiten Halbzeit. An Miroslav Klose aber hat es ganz sicher nicht gelegen.



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