WM-Tickets : Usain Bolt im Spot

Die Vermarkter der Leichtathletik-WM wollen nun gezielt für absatzschwache Tage werben. Sie setzen dabei auf Plakate und Spots in Radio und Fernsehen.

Friedhard Teuffel

Berlin - Jetzt werden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin zerlegt. In jeden einzelnen der neun Tage. Das Organisationskomitee nimmt sich scheinbar besonders unattraktive Tage der WM vor, um für sie Eintrittskarten zu verkaufen. Angefangen hat es mit dem ersten Sonntag der WM, dem 16. August. „Da mussten wir nachjustieren. Wir wollen jetzt die Highlights herausstellen“, sagt Michael Mronz, der für die Ticketvermarktung im Organisationskomitee zuständig ist und holt ein Plakat aus seiner Tasche. Das soll bundesweit aufgehängt werden. Zu sehen sind darauf die 100-Meter-Läufer Usain Bolt und Tyson Gay. Das Duell in der kürzesten, aber spektakulärsten Disziplin der Leichtathletik als Verkaufsargument.

Vom 100-Meter-Lauf wird nicht nur etwas auf Papier zu sehen sein in den nächsten Tagen, auch im Fernsehen soll mit Spots auf die WM aufmerksam gemacht werden, ebenso im Radio, und im Mittelpunkt steht jeweils der Kommentar des ZDF-Leichtathletikreporters Wolf-Dieter Poschmann zum Olympiasieg von Usain Bolt in Peking.

Die Radiospots werden in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen zu hören sein. Insgesamt haben die Veranstalter bislang 250 000 der 560 000 Karten abgesetzt, 9 Prozent davon in Brandenburg, 12 Prozent in Nordrhein-Westfalen, 20 Prozent in Berlin und 14 Prozent im Ausland. Von den geplanten 15 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf hätten sie schon 68 Prozent in der Kasse. Dass das Olympiastadion voll wird, steht für manche Tage schon fest, für andere ist es äußerst ungewiss. Während etwa für den ersten Tag nicht einmal die Hälfte der Karten vergeben ist, sind für den Samstag eine Woche später nur noch 2300 Tickets zu haben. „Da können wir nicht alles falsch gemacht haben“, sagt Mronz.

Gelegentlich war angezweifelt worden, dass die Tickets wirklich verkauft sind. Es war fraglich, ob es sich nicht vielmehr um Reservierungen von Reiseveranstaltern handelt. „Diese Tickets haben wir fest verkauft“, sagt Mronz. Zudem seien noch knapp 10 000 Buchungen von Reiseveranstaltern offen, die möglicherweise noch obendrauf kämen.

Schwierigkeiten bereiten Mronz die Logen, von 25 sind noch 9 zu haben. Zwei Gründe macht Mronz dafür verantwortlich: zum einen die Wirtschaftskrise. Zum anderen: „Es gibt eine Rechtsproblematik bei den Logen, die in Zukunft zu lösen sein wird.“ Einladungen von Firmen an Politiker oder Interessenvertreter unterliegen inzwischen strikten Regeln.

Derzeit muss sich WM-Vermarkter Mronz noch mit einigen Vorwürfen auseinandersetzen. Athleten wie die Speerwerferin Christina Obergföll hatten sich beklagt, nicht ausreichend in die WM-Kampagne eingebunden zu sein. „Das war ein Fehler, das geben wir offen zu“, sagt Mronz. Dafür wird sie nun im Fernsehspot zu sehen sein, der in mehreren Privatsendern ausgestrahlt wird.

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