Sport : Wo bleibt der Rhythmus?

Nach fünf Siegen in Folge kommt den Berliner Eisbären die dreiwöchige Spielpause ungelegen

Mathias Klappenbach

Berlin. Noch sind die ersten acht Plätze nicht vergeben. Aber während im Mittelfeld der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) um die Teilnahme an den Anfang März beginnenden den Play-offs gebangt wird, experimentieren die Trainer der Spitzenteams bei der Suche nach der idealen Formation für die entscheidende Phase der Saison. Das ist beim Tabellenführer der DEL, den Berliner Eisbären, nicht anders. Nach der heutigen Partie bei den Augsburger Panthern (14.30 Uhr) hat Trainer Pierre Pagé sogar fast drei Wochen Zeit, sich zumindest Gedanken über sein Spielsystem zu machen.

Die Liga macht eigentlich erst ab dem kommenden Freitag Pause, aber das Spiel der Eisbären bei den Hamburg Freezers vom 43. Spieltag wurde bereits am 13. Januar ausgetragen. Bis zum 12. Februar, wenn die Eisbären bei den Hannover Scorpions antreten müssen, findet also kein DEL-Spiel statt. Viel Zeit also nicht nur für die verletzten Spieler, um zu regenerieren. Und eigentlich auch viel Zeit, um die taktischen Variationsmöglichkeiten im Trainingsbetrieb weiter zu verbessern. Doch viele Eisbären werden in dieser Zeit nicht in Berlin trainieren, sie sind anderweitig im Einsatz. Neben drei weiteren Nachwuchsleuten wurden die jungen Spieler Draxinger, Hördler, Baxmann, Busch und Rankel in die deutsche U-19-Nationalmannschaft berufen, die vom 2. bis 8. Februar am Fünf-Nationen-Turnier in Finnland teilnimmt.

Nach dem glücklichen 1:0-Sieg am Freitagabend gegen die Kölner Haie nominierte zudem Bundestrainer Hans Zach, der auch die Kölner trainiert, vier Berliner für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Rob Leask, Sven Felski, Neuling Alexander Barta und der gegen Köln alles überragende Torhüter Oliver Jonas treffen am 1. Februar im Allstar-Game in Ingolstadt zunächst auf die von den Fans bestimmte internationale Ligaauswahl, in die auch die Eisbären Kelly Fairchild und Micki Dupont gewählt wurden. Dupont, der sich aus familiären Gründen in Kanada aufhält, wird aber nicht an dem Showspiel teilnehmen.

Die ersten ernsthaften Vorbereitungsspiele in diesem Jahr für die im April beginnende Weltmeisterschaft in Tschechien absolviert das Nationalteam von Hans Zach dann beim Suisse-Cup, der vom 6. bis 8. Februar ausgetragen wird.

Nach der Niederlage der Kölner Haie bei den Eisbären kündigte Zach an, im Tor der Nationalmannschaft nicht mehr so viel rotieren zu wollen. „Ich schaue hier bei einem DEL-Spiel ja nicht nur auf die Nationalspieler des Gegners“, sagte Zach. Aber die starke Leistung des Berliner Torwarts Jonas hatte ihn beeindruckt, auch wenn sie Zach nicht überraschte. „Für die Auswahl zählt ja nicht ein einziges Spiel. Die Nationalspieler stehen natürlich unter ständiger Beobachtung.“

Am Freitagabend hätte Zach auch gerne Florian Keller beobachtet, der Eisbären-Stürmer konnte aber wegen einer Rückenprellung nicht spielen. Keller wird bald wieder fit sein, und auch Rekonvaleszent David Roberts wird die Spielpause nutzen, um Trainingsrückstand aufzuholen. Das sind die Vorteile der letzten Unterbrechung des Spielbetriebes vor den Play-offs. Doch es gibt auch Nachteile. Eisbären-Coach Pagé ist besorgt, dass seine Mannschaft aus dem Rhythmus gerät, den sie nach einer schwächeren Phase mit jetzt fünf Siegen in Folge wiedergefunden zu haben scheint. Deshalb wird heute in Augsburg auch nicht Oliver Jonas im Tor stehen, sondern wieder Rich Parent.

Der Kanadier ist durch einige Patzer und die starken Leistungen von Jonas im Wettkampf der beiden Torhüter ins Hintertreffen geraten. Dennoch will Pagé weiter am Wechselspiel im Tor festhalten. „Oliver spielt beim Suisse-Cup. Parent hätte sonst dreieinhalb Wochen lang kein Spiel. Das ist eine viel zu lange Pause“, sagt der Trainer, der bis zu den Play-offs weiter experimentieren will. Im bisherigen Saisonverlauf hatten die Eisbären vor allem gegen defensiv eingestellte Teams Probleme. Am Freitag gegen Köln ließ Pagé selbst eine defensivere Taktik als gewöhnlich spielen. Mit mäßigem Erfolg. Aber richtig einstudieren kann der Meisterschaftsfavorit das beste System erst in den letzten Spielen der Hauptrunde.

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