Sport : Wo das Problem beginnt

Frank Bachner

ärgert sich über die deutschen Schwimm-Talente Auf dem Papier sieht die Bilanz gar nicht schlecht aus: Sechs Medaillen bei der Schwimm-WM bis zum letzten Abend, viel mehr durfte man nicht erwarten. Das sind zwar weniger als bei den Weltmeisterschaften 2001 (15) und 2003 (acht), aber damals holte allein Hannah Stockbauer fünfmal Gold. In Montreal fehlte sie, ebenso wie andere Routiniers. Und die vielen Talente, mit denen der deutsche Verband anrückte, sollten vor allem Wettkampfhärte gewinnen, nicht in erster Linie Medaillen.

Und doch wurde Montreal auch zum Rückschlag. Die Perspektive fehlt. Gerade die deutschen Talente werden zu Provinzgrößen, wenn Härte und Nervenstärke gefragt sind. Einer wie Marco di Carli zum Beispiel, der seine nassforsche Art auf nationaler Ebene regelrecht kultiviert, entlarvt seine Abgebrühtheit im harten internationalen Test als hohle Geste. Über 100 Meter Rücken schwamm er mehr als eine Sekunde langsamer als bei der deutschen Meisterschaft. Die anderen waren nicht besser.

Das könnte man, in einem nacholympischen Jahr, noch nach kurzer Verärgerung abhaken. Es gibt ja Lösungsansätze. Das Problem aber beginnt hier. Denn die Lösungen werden blockiert. Chef-Bundestrainer Beckmann hat ein Modell vorgestellt, das die Schwimmer ab 2006 in mehr Wettkämpfe zwingen würde. Bei Trials sollten Olympia-, WM- oder EM-Tickets vergeben werden, die deutschen Meisterschaften sollten Generalprobe für das Top-Ereignis sein. Damit würden die Athleten mehr Wettkämpfhärte bekommen. Australier und Amerikaner arbeiten seit Jahren so. Beckmann musste klein beigeben, er scheiterte am Widerstand von regionalen Funktionären, eifersüchtigen Landestrainern und dem Fernsehen, das keine Abwertung der deutschen Meisterschaft wollte. In Montreal haben die Alten die Medaillen geholt. Wenn sie abtreten, droht erst mal die Leere.

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