Sport : Wo die Million fehlt

SCC-Volleyballern droht heute der Pokal-K.o.

Karsten Doneck

Berlin - Zweieinhalbtausend Euro kostet allein der gemietete Bus. Hinzu kommen eine Hotelübernachtung für 16 Personen und ein paar Mahlzeiten. Macht 5000 bis 6000 Euro insgesamt. Diese Summe muss Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg aufbringen, um am Samstagabend im Pokal-Halbfinale beim VfB Friedrichshafen anzutreten. Viel Geld, geringe Erwartungen: Beim Deutschen Meister und Pokalverteidiger droht dem SCC das Aus. „Jedes andere Los wäre angenehmer gewesen, selbst wenn wir Friedrichshafen zu Hause hätten empfangen können“, grollt SCC-Manager Kaweh Niroomand. „Das dümmste Los von allen“, ergänzt Trainer Michael Warm.

Im vorigen Jahr standen sich beide Mannschaften im Pokal-Finale in Bonn gegenüber, Friedrichshafen siegte in einem dramatischen Spiel 3:2. Dass mit Zuspieler Jaroslav Skach und Mittelblocker Aleksandar Spirovski ausgerechnet „unsere beiden Topstars, zumindest wenn ich mir unsere Gehaltsliste so angucke“ (Niroomand), nach ihren langwierigen Verletzungen erst allmählich wieder Anschluss finden, macht die Aufgabe am Bodensee für den SCC nicht leichter. Spirovski fehlt schon seit rund acht Wochen. Nach seinem Mittelhandbruch ist „der Knochen nicht so verheilt, wie wir uns das gewünscht hätten“, sagt Michael Warm, „da würde jetzt auch keine Zaubersalbe helfen.“ Bei Skach sieht die Prognose günstiger aus. Vielleicht kommt er schon jetzt gegen Friedrichshafen sporadisch zum Einsatz.

Ein Ausscheiden im Pokal-Halbfinale in der Arena Friedrichshafen würde den SCC gar nicht mal so sehr schmerzen. Die Mannschaft hat lediglich die Vorgabe, in dieser Saison die Champions League zu erreichen. Dazu müsste der SCC in der Meisterschaft mindestens Zweiter werden. Dass die Charlottenburger in diesem Jahr am VfB Friedrichshafen vorbeiziehen, ist wenig wahrscheinlich. Selbst längerfristig in die Rolle der Nummer 1 im deutschen Volleyball zu schlüpfen, das traut sich der SCC nicht recht zu. „Da müsste ich schon eine Million Euro mehr im Etat haben“, sagt Niroomand. Sein Dilemma: „In Berlin habe ich es doch schon schwer, nur mal 10 000 Euro mehr zu bekommen.“

Das Pokal-Halbfinale in Friedrichshafen geht für den SCC, unabhängig vom Spielausgang, übrigens in eine höchst unvergnügliche Verlängerung. Gleich nach dem Duschen nach Spielschluss, also gegen 22 Uhr, startet der Bus zur Rückfahrt nach Berlin. Zehn bis zwölf Stunden Fahrzeit sind veranschlagt. Erst am Sonntagvormittag kommen die Spieler ins Bett.

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