Sport : Wo ist die Form, Herr Behle?

Benedikt Voigt

über den kleinen Trost für den Langlauf-Bundestrainer Als Jochen Behle vor der Nordischen Skiweltmeisterschaft die Chancen seiner Mannschaft benennen sollte, benutzte er einen seltsamen Superlativ. Sein Herrenteam zähle zu den „höchsten Favoriten“, sagte der Bundestrainer im Langlauf. Das hörte sich an, als seien die Medaillen seinem Team bereits versprochen, und es müsse nur noch die Lokalität für die Siegesfeier gesucht werden. Wir wissen nun, dass es anders ist.

Jochen Behle muss sich an seiner eigenen Erwartung vor der Weltmeisterschaft messen lassen. Demnach ist das aktuelle Ergebnis ohne eine einzige Medaille eine große Enttäuschung. Die Langläufer vergeben eine große Chance, in Deutschland Werbung für ihren Sport zu machen. Nach drei Jahren des Aufschwungs hätte die WM im eigenen Land der nächste Schritt nach oben sein können. Er wird es nicht werden, das lässt sich schon jetzt sagen. Die deutsche Mannschaft muss sich sogar Fragen nach Doping gefallen lassen, weil es seltsam aussieht, wenn ein Land im Weltcup vorne mitläuft und dann bei einer Weltmeisterschaft, bei der besonders streng kontrolliert wird, die gewohnte Leistung nicht mehr bringt. Der Sportwart des Deutschen Skiverbandes sagt: „Unsere Athleten haben sich ihre Form hart erarbeitet.“

Doch wo ist die Form? Jochen Behle hat erste Konsequenzen gezogen, auf Kritik von außen aber reagiert er zurzeit äußerst gereizt. Das hat er gar nicht nötig. Er sollte bedenken: Nur wer hoch steigt, kann tief fallen. Er sollte die Kritik als Kompliment werten: Wenn die Langläufer früher langsam gelaufen wären, wäre es niemandem aufgefallen.

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