Sport : Woche des Willens

Hertha BSC muss gegen die Aufsteiger aus Duisburg und Köln zeigen, dass es ein Spitzenteam ist

Mathias Klappenbach

Berlin - Mit einem bunten, lustigen Abend rechnen eher wenige Fans. Dafür ist der Gegner zu grau. Hertha BSC hofft heute gegen den Bundesligaaufsteiger MSV Duisburg (20 Uhr), dass wenigstens 30 000 Zuschauer ins Olympiastadion kommen. Die unterdurchschnittliche Kulisse wird das Spiel gegen den unattraktiven Gegner an dem unattraktiven Abendtermin in der Woche mit der stillen Hoffnung verfolgen, eine dominant auftretende Hertha zu erleben, die am besten deutlich gewinnt.

„Jeder erwartet einen Sieg. Das wird in Berlin als selbstverständlich erachtet“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Doch es wird schwierig, die Mannschaft muss erneut über sich hinauswachsen.“ Hertha hatte schon in der vergangenen Saison Probleme gegen Teams, die das Spiel eher zerstören als aufbauen, viele Torchancen herauszuarbeiten. Die Zahl der bunten Abende oder Nachmittage in den vergangenen beiden Jahren, von denen die Besucher jenen begeistert erzählten, die nicht ins Olympiastadion gekommen waren, ist klein.

Einer der Spieler, der die Zuschauer begeistert und mit einer einzelnen Aktion ein Spiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner wie Duisburg entscheiden kann, wird morgen wohl ausfallen: Yildiray Bastürk. Der Mittelfeldspieler hat nach seinen beiden überstandenen Knieverletzungen nun eine Rippenprellung, die ihm Schwierigkeiten beim Luftholen bereitet. Neben dem gesperrten Gilberto könnte zudem ein dritter Stammspieler im Mittelfeld fehlen, weil Niko Kovac Adduktorenprobleme hat. „Es besteht noch die Aussicht, dass wir beide hinkriegen. Die Entscheidung fällt erst kurz vor dem Spiel“, sagt Falko Götz.

Der Hertha-Trainer spricht vor den Spielen gegen Duisburg und am Sonntag beim 1. FC Köln von „einer sehr wichtigen Woche“. Es gehe nicht um die Gegner, sondern darum, „was wir für uns tun können.“ Götz will sich „oben in der Bundesliga festsetzen, die Leistung gegen Schalke 04 ist der Gradmesser“.

Gegen die beiden Aufsteiger muss Hertha nun den eigenen Anspruch bestätigen, eine Spitzenmannschaft zu sein. Beim 2:0 gegen den dritten Aufsteiger Eintracht Frankfurt am zweiten Spieltag spielte Hertha lange Zeit nicht so. Die lediglich mit den Neuzugängen Marko Pantelic und Ellery Cairo verstärkte Mannschaft soll sich laut Trainer Götz in dieser Saison vor allem dadurch verbessern, dass jeder Einzelne im Team stärker wird. Durch diesen Entwicklungsschritt wäre es möglich, gegen spielerisch unterlegene Gegner dominanter aufzutreten.

Egal, wer nun noch fit wird oder nicht: Heute soll Hertha laut Trainer Götz mit dem Willen und dem läuferischen Einsatz, den die Spieler beim 0:0 in Schalke gezeigt haben, zum Erfolg kommen. Wenn sich daraus eine Überlegenheit entwickelt, die auch die Fans in der „fantastischen Flutlichtatmosphäre“ (Hoeneß) begeistert, hätte Hertha einen Schritt getan, der in der Vergangenheit noch fehlte, um eine Spitzenmannschaft zu sein.

Die Entscheidung, ob ein Team eine Spitzenmannschaft ist oder nicht, wird auch von den Fans letztlich anhand der Anzahl der Punkte getroffen. Und nicht danach, ob der Abend bunt oder grau war.

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