Sport : Wohlbefinden und Wehklagen

Christoph Kieslich

Als die kleine Schar von Fans des SC Freiburg durch einen Kanal auf den obersten Rang des Stadions geleitet wurde, der eher einem Hochsicherheitstrakt als einem Fanblock glich, und als das noch kleinere Grüppchen südbadischer Edelfans die Rolltreppen im Kuip hinaufglitt in die Logen - da bekamen sie eine Ahnung davon, tatsächlich im Europapokal angekommen zu sein. Nach dem Abenteuertrip ins slowakische Puchov und dem Abstecher ins Zürcher Europacup-Exil des FC St. Gallen betrat der SC Freiburg erstmals die Bühne eines "Fußball-Tempels", wie Assistenztrainer Achim Sarstedt es nach seinen Inspektionsreisen im Vorfeld empfunden hatte. An einem nasskalten Abend im Spätnovember war das Drittrunden-Hinspiel bei Feyenoord auch so etwas wie eine Nagelprobe für den Freiburger Fußball: Kann man sich gegen einen Hochkaräter behaupten, der gerade erst in der Champions League gespielt hat und dessen Ansprüche sich an einem 120-Millionen-Mark-Budget messen?

Am Ende des Abends hatte Freiburg 0:1 verloren und schwankte zwischen Wohlbefinden und Wehklagen. 82 Minuten lang war es gelungen, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Und doch reichte Feyenoord ein lichter Moment, um sich doch noch eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel zu schaffen: Ebi Smolnarek spielte in die Mitte, wo Andreas Zeyer ausrutschte und der Japaner Shinji Ono zum Siegtor traf. "Einfach Scheiße", entfuhr es Zeyer, und Trainer Volker Finke fand es "besonders ärgerlich, weil es eine überschaubare Situation war".

Nun darf spekuliert werden, ob der SC Freiburg in 14 Tagen ein zweites Mal in der Lage ist, Feyenoord in Schach zu halten. "1:0 ist kein gutes Ergebnis", findet Torwart Richard Golz, schöpft aber Hoffnung aus der Erkenntnis von Rotterdam, "wo wir gezeigt haben, welche Möglichkeiten wir besitzen". Bis in 14 Tagen wird sich auch der personelle Fundus beider Klubs erweitern. Feyenoords Trainer Bert van Marwijk beklagte das Fehlen von neun Spielern. Ähnliches hätten die Freiburger reklamieren können, denen neben dem gesperrten Sebastian Kehl im Abschlusstraining von Rotterdam Oumar Kondé (Verdacht auf Mittelfußbruch), dann Levan Zkitischwili und nach den ersten 45 Minuten auch noch Tobias Willi ausfielen.

Trainer Finke konzentrierte sich dann nach seinem ersten Ärger aufs Rückspiel, "das ist eines der Spiele, bei denen man sich freut, noch einmal 90 Minuten zu haben". Das klang wie eine trotzige Reaktion, ähnlich der, die die Mannschaft nach der desolaten Vorstellung von Stuttgart vier Tage zuvor gezeigt hatte.

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