World Games in Breslau : Lisa Unruh verfolgt das nächste große Ziel

Lisa Unruh hat Bogenschießen mit ihrer olympischen Silbermedaille in Deutschland populär gemacht. Bei den World Games will die Berlinerin nun auch auf dem Feld erfolgreich sein.

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Der saß. In Rio de Janeiro holte Lisa Unruh die erste olympische Medaille für Deutschland im Bogenschießen.
Der saß. In Rio de Janeiro holte Lisa Unruh die erste olympische Medaille für Deutschland im Bogenschießen.Foto: dpa

Es ist eine Luxussituation, in der Lisa Unruh steckt, wenn sie am Sonntag im Feldbogenschießen bei den World Games antritt. Fast alle anderen Athleten, die in 32 verschiedenen Sportarten in Breslau teilnehmen, träumen davon, mit ihrem Sport irgendwann einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Sind die World Games doch die Wettkämpfe der nicht-olympischen Sportarten, etwa Karate, Orientierungslauf, Bowling oder Lacrosse.

Doch Unruh hat das Glück, einen Sport zu betreiben, mit dem sie an beiden Großveranstaltungen teilnehmen kann. Im olympischen Bogenschießen über 70 Meter gelang der Berlinerin vor einem Jahr in Rio de Janeiro der größte Erfolg ihrer Karriere. Sie gewann die Silbermedaille, es war die erste Einzelmedaille für einen deutschen Bogenschützen überhaupt. Millionen schauten ihr damals vor den Fernsehern zu und waren plötzlich fasziniert von diesem Sport.

Im Feldbogenschießen hat Lisa Unruh die Medaille bei World Games bisher zweimal knapp verpasst. 2009 in Taiwan und 2013 im kolumbianischen Cali wurde sie jeweils Vierte. „Das soll jetzt anders werden“, sagt die 29-Jährige vom BSC BB-Berlin. „Ich will unbedingt eine Medaille.“

Das Feldbogenschießen unterscheidet sich in vielen Aspekten von der olympischen Disziplin. Eigentlich ist nur der Bogen gleich. Wie der Name schon sagt, wird im Gelände geschossen: im Wald und im Feld. Bei Olympia geht es immer nur geradeaus auf die gleiche Distanz. Meist sei das Feldbogenschießen schwieriger, sagt Unruh. Denn die Athleten müssen die Ziel-Entfernungen abschätzen sowie den Schatten und das Licht miteinkalkulieren. „Außerdem schießt man auch hoch und runter, so muss man immer wieder andere Winkel beachten“, sagt sie.

"Lisa hat immer das Potenzial, eine Medaille zu holen", sagt Bundestrainer Haidn

So gibt es auch nur eine Handvoll Schützen, die sowohl in der olympischen Disziplin als auch im Feldbogenschießen antreten. „Ich bin über meinen Freund zum Feldbogenschießen gekommen“, sagt Unruh. „Ich komme in beiden Disziplinen zurecht.“ Warum so wenige Athleten beides ausüben, könne sie sich auch nicht erklären. „Es ist wohl auch eine Frage der Gewichtung. Andererseits ist das Feldbogenschießen dann doch komplett anders. Und so gibt es viele Spezialisten.“

Nach ihrer Silbermedaille von Rio gehört Lisa Unruh in Breslau natürlich zu den Favoriten. Bundestrainer Oliver Haidn traut ihr ebenfalls einiges zu. „Bei ihrer Leistungsstärke hat sie immer das Potenzial, eine Medaille zu holen“, sagt er. „Sie ist konditionell und koordinativ einfach sehr stark.“ Und so seien die taktische Komponente im Feldbogen-Wettkampf sowie die hohe Erwartungshaltung für Unruh wohl die größten Herausforderungen, sagt Haidn. „Aber sie verfügt ja über viel Erfahrung.“

Mit ihren Teilnahmen an Olympischen Spielen und World Games ist Unruh auch die perfekte Expertin für einen Vergleich der beiden Sportveranstaltungen. „Die Stimmung bei den World Games in Taiwan und Cali war super. Beide Städte waren im Sportfieber, überall war Jubel“, sagt die Berlinerin. „Allerdings ist Olympia eine ganz andere Dimension. Bei den World Games ist eben alles kleiner.“ Schade findet sie nur, dass es bei den World Games kein Athletendorf gibt. „Die Sportler sind überall in der Stadt in Hotels untergebracht, so entsteht nicht so ein krasser Athleten-Block“, sagt Unruh.

Die Vorfreude auf die Wettkämpfe in Breslau schmälert das aber nicht. „Die World Games sind für mich ein weiterer Höhepunkt“, sagt sie. Und noch besonderer würden sie werden, wenn Unruh sogar Gold gewinnen würde. „Natürlich liebäugele ich damit“, sagt sie. „Aber ich will mir auch keinen zusätzlichen Druck machen.“

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