Wowereit trifft Hoeneß : Verdi komponiert, Verdi demonstriert

Wie bei einem Treffen des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit mit Herthas Manager Dieter Hoeneß das Gespräch auf den Gefangenenchor von Nabucco kommt.

Sven Goldmann

Vormittags um elf. Vor dem Roten Rathaus demonstriert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für eine bessere Bezahlung von Lehrern und Erziehern. Der Platz vor dem Rathaus ist gut gefüllt, die Demonstranten sind gut gelaunt, und bevor sie nach Hause gehen, singen sie schnell noch das Lied von der „guten Ute aus der Kita". Es ist dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gewidmet, aber der sitzt oben im dritten Stock neben Dieter Hoeneß, dem Manager von Hertha BSC. Gemeinsam stellen sie das Projekt „Berliner Freunde" vor. Es geht um viel Geld, mit dem möglichst viele möglichst reiche Sponsoren Berliner Kinder und Jugendliche  fördern sollen. Das liege doch ganz im Interesse der Demonstranten vor dem Rathaus, findet ein Zuhörer, und ob sich beide Seiten nicht zusammentun könnten. Wowereit blinzelt leicht irritiert, Hoeneß sagt, dass die Sanierung des Berliner Bildungswesens vielleicht doch eine Nummer zu groß sei für die „Berliner Freunde".

Apropos Bildung, wendet ein anderer Gast ein, es sei ja wohl ein Unding, dass Hertha den Gefangenenchor aus der Oper Nabucco umgedichtet habe zur neuen Staatshynme. Kulturbanausen!, „der arme Giuseppe Verdi würde sich im Grabe umdrehen". Hoeneß, jetzt ebenfalls irritiert, antwortet, bei Musik gingen die Geschmäcker nun mal auseinander, und Verdi wäre bestimmt glücklich gewesen, wenn er noch erlebt hätte, dass Fußballfans seinen Chor singen. Außerdem, sagt der Regierende Bürgermeister, „steht Verdi draußen vor der Tür". Und singt, aber nicht den Gefangenenchor aus Nabucco, sondern das Lied von der guten Ute aus der Kita.

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