Sport : Wunder auf zwei Beinen

Der 1. FC Köln feiert seinen Stürmer Lukas Podolski

Christoph Bertling

Köln. Am liebsten hätte sich Lukas Podolski an diesem Tag in die Beete vor dem Klubhaus verkrochen, in denen er noch vor kurzem das Unkraut gejätet hatte. Doch nach dem 1:0-Sieg über Borussia Mönchengladbach konnte sich der 18-jährige Stürmer nicht wie an den Spieltagen zuvor an den wartenden Journalisten vorbeimogeln. Dafür hatten diesmal seine Mannschaftskollegen gesorgt, die etwas früher aus der Kabine gekommen waren. „Er ist eine Wucht. Unglaublich, was er leistet“, hatte sein Stürmerkollege Andrej Woronin gesagt. Abwehrchef Mustafa Dogan erhob seinen Mitspieler zum wiederholten Male sogar zum „besten Nachwuchsspieler der Bundesliga“, und sein Trainer Marcel Koller sprach gar von einem „kleinen Wunder auf zwei Beinen“.

Sichtlich beeindruckt waren sie alle von Podolskis Leistung. Entschlossen hatte sich der Jungstürmer in der 52. Minute den Ball selbst vorgelegt und zum Siegtor gegen Borussia Mönchengladbach in den Winkel geschlenzt. Eine Leistung, für die das lokale Boulevardblatt „Express“ ihn einen Tag später zum „Prinz Poldi“ krönte. Immerhin rangiert der 1. FC Köln durch sein Tor nach einer verkorksten Vorrunde nun wieder auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Doch Podolski selbst will seine neue Rolle als neuer Kölner Held noch immer nicht so recht akzeptieren. Auch wenn er in seinen bisher sechs Bundesligaspielen bereits drei Tore geschossen hat. Als Zivildienstleistender entfernte er noch vor wenigen Wochen morgens das Unkraut aus den Beeten, um als A-Jugend-Spieler nachmittags Tore zu schießen. Erst mit dem Weggang von Trainer Friedhelm Funkel begann der Aufstieg des jungen Stürmers. Koller entdeckte ihn und ließ ihn in der Bundesliga auflaufen. Seitdem verursacht Podolski mit seiner Torgefährlichkeit und quirligen, unbeschwerten Spielweise viel Wirbel.

Auch der polnische Nationaltrainer Pawel Janas buhlt nun um die Gunst des talentierten Angreifers. Vor wenigen Tagen erst schickte er Podolski drei Nationaltrikots mit der Nummer 10 und seinen Namen in fetten Lettern auf dem Rücken. „Das ehrt mich sehr“, sagt der gebürtige Pole. Auch wenn es wohl nur eine symbolische Geste bleiben wird. Denn Podolski hat bereits für die deutsche U-19-Auswahl gespielt. Dabei schoss er 16 Tore in 18 Spielen.

Die Anerkennung ihres jüngsten Spielers bereitet den Kölnern dabei nicht nur Freude. Auch wenn die Trikots mit der Nummer 36 großen Absatz finden, sind die Sorgen momentan größer. Um Podolski weiter an den Verein zu binden, überdenken die Verantwortlichen beim FC seinen bis 2007 laufenden Vertrag. „Bisher bekam er nur eine Aufwandsentschädigung, aber wir haben sein Gehalt seinen Leistungen angepasst“, sagt der Kölner Sportmanager Andreas Rettig. Podolski interessiert das alles wenig. „Für mich ist es am wichtigsten, Tore in der Bundesliga zu schießen.“ Dafür würde er selbst jetzt noch die Beete vor dem Klubhaus jäten.

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