Xaver Unsinn wird 80 : „Danke für die tolle Zeit“

Eishockey-Idol Erich Kühnhackl gratuliert dem ehemaligen Bundestrainer Xaver Unsinn zum 80. Geburtstag.

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Unsinn. Eishockey-Bundestrainer 1964, 1975 bis 1977 und 1981 bis 1990. Foto: p-a/dpadpa

Xaver Unsinn. Ja, das waren natürlich noch Zeiten im deutschen Eishockey. Ich glaube, den Xaver kannte einfach jeder. Er war ja auch ein Original. Zum Training kam er mit einer Zipfelmütze, bei den Spielen hatte er seinen Pepitahut auf. Auch der hat ihm zu seiner Berühmtheit verholfen.

Der Pepitahut. Wir Spieler fanden das ehrlich gesagt manchmal ein bisschen komisch. Vor einem Länderspiel sind wir einmal mit der Nationalmannschaft in eine Hutfabrik eingeladen worden, jeder von uns durfte sich einen Hut aussuchen. Alle nahmen einen Pepitahut. Damit sind wir tagelang herumgelaufen. Zuerst fand der Xaver es komisch, später dann ärgerte er sich. Aber insgesamt hatte er doch immer sehr viel Humor und war unglaublich agil. Bei dem bist du im Normalfall nicht zu Wort gekommen.

Beim Namen Unsinn denken viele daran, dass die Nationalmannschaft damals mehr Erfolg hatte als heute. Es war eben sportlich eine tolle Zeit, ich hatte ja das Glück, 1976 beim Gewinn der Bronzemedaille in Innsbruck dabei zu sein. Aber es war damals auch vieles einfacher. In der Bundesliga spielten in jedem Team maximal zwei Ausländer. Die Leistungsdichte an deutschen Spielern war größer, der Bundestrainer hatte eine andere Auswahl als seine Nachfolger heute, wenn sie sich in der Deutschen Eishockey-Liga umschauen. Aber trotzdem musst du erst mal dahin kommen, wo der Unsinn hingekommen ist. Unter ihm gehörten wir zu den besten sechs Nationen im Welteishockey. Das war schon etwas und es war auch das Werk von Xaver Unsinn. Er hatte das Talent, zum richtigen Zeitpunkt eine Mannschaft aufbauen zu können. Beim Trainer Unsinn stimmte einfach das Fingerspitzengefühl, da passten die Ansprachen an die Mannschaft. Er hat uns Spieler immer mal wieder überrascht, das ist für die Autorität eines Trainers ganz wichtig.

Damals, in den Siebziger- und Achtzigerjahren war der Zusammenhalt unter den Spielern noch ein anderer. Der Xaver hat uns immer gepredigt, wie wichtig das gute Verständnis untereinander ist. „Zusammenhalt“ und „Disziplin“ waren seine Lieblingsworte. Wenn der Trainer im Mannschaftshotel Bettruhe angeordnet hatte und jemand hielt sich nicht daran, dann war da der Teufel los. Mit dem Unsinn hat man sich besser nicht angelegt.

Das Aufgeregte, das Nimmermüde, das war aber nur die eine Seite von Xaver Unsinn. Vor allem seine öffentliche Seite. Hinter der Fassade habe ich einen Menschen kennengelernt, der sehr sportaffin war und sich immer akribisch vorbereitete. Er war ein angenehmer Zeitgenosse, mit dem du über Gott und die Welt plaudern konntest.

Ob Xaver Unsinn auch heute noch so viel Erfolg hätte wie damals? Das ist schwer zu sagen. Das Spiel ist ja viel schneller geworden und die Weltspitze viel enger zusammengerückt. Trainer sitzen am Computer, schauen sich Aufzeichnungen von Spielzügen an und studieren Datenbanken und tragen keine Zipfelmützen mehr. Da hat sich viel geändert.

Vor einiger Zeit habe ich Xaver Unsinn in Füssen, in seinem Haus in Hopfen am See, besucht. Natürlich ist er im Alter ruhiger geworden. Aber wenn ich mit 80 noch so gut beieinander bin, bin ich zufrieden.

Alles Gute zum Geburtstag! Und danke für die tollen Zeiten!

Erich Kühnhackl, 59, ist Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes. Er spielte 211-mal für das Nationalteam, das er als Unsinns Nachfolger bis 1992 auch betreute. Aufgezeichnet von Claus Vetter.

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