Sport : Youri Djorkaeff: Noch lange kein Ende der Mesalliance

Klaus Rocca

Eigentlich hätte sich Youri Djorkaeff gestern mit Tränen in den Augen am Betzenberg präsentieren müssen. 30.000 Mark soll der Arme dafür hinblättern, dass er seinen Arbeitnehmerpflichten nicht nachgekommen ist. Welch ein Schock für ihn. Gewiss, der Franzose hat bei seinem Amsantritt vor zwei Jahren vier Millionen Mark Handgeld kassiert, diese Strafe muss ihn dennoch äußerst hart treffen. Nur, Djorkaeff wusste von der Geldbuße, bereits vor einer Woche ausgesprochen, gar nichts. Offiziell jedenfalls nicht. Sagt er.

Eine von vielen Ungereimtheiten in einem Spiel, das der Lauterer Vorstandschef Jürgen Friedrich als Sommertheater abtut, bei dem aber wie nie zuvor ein Star seinem Verein auf der Nase herumtanzte. Djorkaeff verlängerte eigenhändig seinen Urlaub, erschien weder zum Training noch zum Medizincheck rechtzeitig, ignorierte einen Gesprächstermin mit Friedrich, verkündete ungeniert in Richtung Teamchef Andreas Brehme: "Wir müssen uns trennen, entweder im Frieden oder im Krieg." Ein Musterbeispiel, wie man seinen Rauswurf provoziert. Ähnlich verhielt sich Djorkaeff 1999. Und hatte Erfolg: Inter Mailand ließ ihn ablösefrei gehen.

Kaiserslautern hat seinen ungehorsamen Sohn dagegen mit offenen Armen wieder aufgenommen. Er werde, hieß es - in nicht ganz einwandfreiem Deutsch - in einer Presseerklärung, "mit voller Überzeugung für und mit dem 1. FCK spielen". Das könnte ein Trugschluss sein. Schon deshalb, weil der Welt- und Europameister alle gegen sich aufgebracht hat und dafür wird büßen müssen. Der düpierte Brehme verlangt weiterhin eine Entschuldigung, für die Djorkaeff keinen Anlass sieht. Und seine Mitspieler haben keine Zweifel daran gelassen, dass sie sein Verhalten für höchst unfair halten.

Vielleicht raufen sich bei der Mesalliance alle wieder zusammen, weil es letztlich vor allem wieder mal ums liebe Geld geht. Verlierer ist trotz allem Djorkaeff. Aber auch der Verein. Mag der auch die höchste Geldstrafe seiner Geschichte ausgesprochen haben. Offiziell-inoffiziell.

0 Kommentare

Neuester Kommentar