Sport : Zabel macht sich kein Geschenk

Telekom-Sprinter an seinem Geburtstag von Cooke besiegt – wieder Stürze auf 2. Etappe

Hartmut Scherzer

Sedan. Natürlich träumte er von diesem Geschenk. Erik Zabel hatte ja gestern Geburtstag, seinen 33., da hätte ein Etappensieg bei der Tour de France gut gepasst. Zabel hätte sich quasi selbst beschenkt, mit dem besten Präsent, das er sich an diesem Tag vorstellen konnte. Es wäre sein 13. Etappensieg bei einer Tour geworden. Doch der Berliner, Kapitän des Teams Telekom, wurde nur Vierter gestern, bei der zweiten Etappe der Tour de France. Vor acht Jahren hatte er seine erste Tour-Etappe gewonnen – an diesem Tag hatte er seinen 25. Geburtstag gefeiert. „Ich habe mich zu lange versteckt“, sagte er im Ziel, „ich hätte früher angreifen sollen.“

So aber gewann der Australier Baden Cooke (FDJeux-Team) vor dem Franzosen Jean-Patrick Nazon und dem Esten Jaan Kirsipuu. Jan Ullrich und Lance Armstrong kamen auf den Plätzen 21 und 54 im Hauptfeld ins Ziel. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters verteidigte Cookes Landsmann und Teamkollege Bradley McGee.

Zabel war nicht wirklich verärgert, als er in Sedan, wo die 204 Kilometer lange Etappe endete, aus dem Bus stieg. Ein paar Fans hatten auf ein Transparent „Happy birthday“ gepinselt und sangen dann noch ein Ständchen. Das hatte etwas Rührendes, und Zabel wollte da nicht den Miesepeter spielen. „Über vierte Plätze ärgere ich mich nicht mehr, wirklich nicht“, sagte Zabel, und er lachte dabei. Das Lachen klang fröhlich oder zumindest nicht gekünstelt. „Es ist eben eine andere Tour. Die Konkurrenz ist stärker und größer geworden.“

Er hat ja recht. „Früher waren Cipollini und Steels die Rivalen. Jetzt sind es Petacchi und McEwen. Die hatte ich heute im Griff. Aber dann kommen jetzt die nächsten drei.“ Cooke zum Beispiel, den hatte er nicht im Griff. Er hätte natürlich früher den Spurt anziehen können, aber da war dieser Gegenwind, und deshalb taktierte er. „Da habe ich mich noch einmal ein bisschen versteckt.“ Ein bisschen zu lang, aber so war’s nun mal. Im Nachhinein weiß er auch, was schief gelaufen war. „Ich hätte bei dreihundert Metern losziehen sollen. Das ist eigentlich zwar ziemlich weit weg vom Ziel, aber so war der Weg doch zu kurz für mich.“

Der Telekom-Kapitän hatte sich an Kirsipuu gehängt und gehofft, dass der „richtig durchzieht“. Doch als der Este auf die linke Seite ausscherte, war Zabel „das zuviel Risiko. Wir waren immerhin direkt an der Balustrade.“ Innen ging nichts mehr. „Wenn man zehn Prozent besser ist als die anderen, kommt man auch bei Gegenwind auf anderem Weg noch vorbei. Aber gegen Cooke war kein Kraut gewachsen.“ Der Italiener Alessandro Petacchi, Sieger des Vortages, war bei der Massenankunft nicht dabei.

Wenn einer wirklich Grund hatte, sich zu ärgern bei dieser Etappe, dann war das nicht Erik Zabel. Dann war das der Franzose Frederic Finot. Hat es nicht schon etwas Tragisches, wenn einer 200 Kilometer lang entweder allein fährt, fast die gesamte Etappe also, oder nur mit einem weiteren Rivalen, Lilian Jegou aus Frankreich, und wenn so einer dann 2,9 Kilometer vor dem Ziel vom Feld eingeholt wird und dann in der Masse verschwindet? Und war ist mit dieser Tragik des Olaf Pollack vom Team Gerolsteiner? Am Sonntag trug er das Rad wie ein Querfeldein-Spezialist auf der Schulter durchs Ziel, weil er eines der Opfer des Massensturzes kurz vor dem Ziel gewesen war. Gestern war schon wieder Opfer. Wieder stürzte er, diesmal 13 Kilometer vor dem Ziel. Und mit ihm stürzten viele andere Fahrer. Diese Bilder prägen die ersten Tage dieser Tour. Demolierte Räder, Fahrer, die auf dem Boden liegen, Helfer, die Material wegräumen, Ärzte, die verletzte Profis untersuchen.

Glück hatte Jegou. Der Teamkollege des Berliners Jens Voigt beim französischen Rennstall Credit Agricole stürzte über das Kamerakabel eines TV-Motorrades und hatte Glück, dass der Fahrer eines nachfolgenden Begleitfahrzeuges blitzartig reagierte und ausweichen konnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar