Zehnkämpfer Behrenbruch : „Ich liebe mich!“

Weltjahresbestleistung und starke Worte: Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch liefert beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen die große Show.

Bertram Job
Ein Mann hebt ab. Behrenbruch beim Mehrkampfmeeting in Ratingen.
Ein Mann hebt ab. Behrenbruch beim Mehrkampfmeeting in Ratingen.Foto: dpa

Mit der letzten Kraft, die ihm nach diesen mörderischen 1500 Metern geblieben war, riss Pascal Behrenbruch hinter der Ziellinie die Arme hoch. Anschließend zeigte er stolz auf sich selbst, als sich die Fernsehkameras auf ihn richteten. Solche Gesten müssen erlaubt sein, wenn einer gerade seine Spitzenstellung im deutschen Zehnkampf behauptet hat. Zumal die 8514 Punkte, die er dabei erreicht hat, neue Weltjahresbestleistung bedeuten.

Der eigenwillige Athlet der LG Frankfurt hat am Wochenende beim 17. Mehrkampf-Meeting in Ratingen lange Zeit nicht wie ein Gewinner ausgesehen. Wie so oft hatten sich am ersten Tag zunächst andere vor ihn geschoben. Bis er sich mitten in der fünften Disziplin, beim 400 Meter-Lauf, innerlich zur Ordnung rief. Da sei ihm klar geworden, wie er nachher erzählte, dass er ab sofort noch mal zulegen muss, denn „der Europameister gehört einfach zur WM“.

Von da ab wurde der 25-jährige Einzelgänger, der mit Billigung des Verbands weit ab vom Schuss in Estland trainiert, tatsächlich von einem Schub getragen. Dieser setzte vor den letzten 120 Metern auf dieser Bahnrunde ein und verließ ihn den gesamten zweiten Tag nicht mehr. Zum Schluss wollte sich der stolze Sieger auch bei seinen Konkurrenten bedanken: Sie hätten ihn hier, in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens, sehr beharrlich zum WM-Ticket nach Moskau getrieben.

Ratingen ist längst eine Institution im Jahreskalender, hier wird in der WM-Saison vor den Augen von Ikonen wie Willi Holdorf und Kurt Bendlin um die Qualifikation gekämpft. Das lief bei den Herren diesmal auf einen Kampf um den zweiten und dritten Platz für den WM-Zehnkampf am 10. und 11. August in Moskau hinaus. Der jahrelang verletzte Duisburger Michael Schrader hatte nach seinem furiosen Comeback in Ulm (8427 Punkte) aus gutem Grund verzichtet: Er ist in den Planungen des DLV gesetzt. Nun haben ihn mit Behrenbruch und dem Hallenser Rico Freimuth (8488 Punkte), in London Olympiasechster, zwei Mitbewerber übertroffen. Was insgesamt eine verführerische Momentaufnahme ergibt: Mit Behrenbruchs Klubkamerad Jan Felix Knobel, dem Dritten von Ratingen (8396 Punkte), stehen derzeit vier Deutsche an der Spitze der weltweiten Bestenliste.

Der Sieger darf mit Blick auf den Saisonhöhepunkt im August ungeniert viel von sich halten. Wenn er bedenke, wie viel Punkte er am ersten Tag liegen gelassen habe, sei da „noch richtig Potenzial“, sagte Behrenbruch. Nach dem Speerwerfen als neunter Disziplin hatte er noch hinter Knobel und Freimuth auf dem dritten Platz gelegen; alle drei waren gerade 16 Punkte voneinander entfernt. So viel Spannung und Klasse hatten sie auch in Ratingen länger nicht mehr erlebt.

Das gilt in abgeschwächter Form auch für den Siebenkampf der Frauen. In Abwesenheit der verletzten Branchenköniginnen Jenny Oeser und Lilly Schwarzkopf wurde Julia Mächtig vom SC Neubrandenburg für ihre Konstanz mit der Weltjahresbestleistung von 6430 Punkten belohnt. Auch Claudia Rath (6317) von der LG Frankfurt und die Leverkusenerin Kira Biesenbach (6185) überboten die geforderte WM-Norm. Ganz schön viele sind da gerade ganz schön gut – wenn auch nicht unbedingt auf WM-Titel-Kurs.

Die beiden Sieger waren dann auch für die letzten, einprägsamen Sätze des Mehrkampf-Gipfels verantwortlich. „Mir geht’s Wahnsinn“, sagte Julia Mächtig, und Pascal Behrenbruch geriet ins Schwärmen: „Ich liebe mich!“

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