Sport : Zeit für Heidfeld

Der Deutsche hat gute Chancen bei BMW-Williams

Karin Sturm

Berlin - Nick Heidfeld wird neuer Pilot bei BMW-Williams. „Wir werden ihn nicht nach Hause schicken“, sagt BMW-Motorsportchef Mario Theissen. So viel ist klar, aber das ist dann auch schon alles. Denn ob Heidfeld in der nächsten Saison nur als Testfahrer zum Einsatz kommen oder tatsächlich Rennen fahren wird, weiß momentan wohl nur Teamchef Frank Williams. Und der sagt es nicht. Nachdem Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher den Rennstall verlassen haben, steht bislang nur der Australier Mark Webber als Fahrer für die neue Saison fest. Um den zweiten Platz kämpfen Heidfeld und der Brasilianer Antonio Pizzonia. Immer wieder dementiert Williams Presseberichte, nach denen es bereits eine Entscheidung oder gar eine Vertragsunterschrift gebe. Man werde die Namen der beiden Fahrer bis zur Präsentation des neuen Autos Ende Januar bekannt geben, heißt es nur.

Gleichwohl ist jeder Tag, der ohne Entscheidung verstreicht, ein gewonnener Tag für Heidfeld. Ursprünglich galt der Deutsche nämlich als Außenseiter. Williams hatte Pizzonia favorisiert, und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil der Brasilianer schon als Testfahrer für den Rennstall tätig ist, und zweitens, weil die brasilianische Ölgesellschaft Petrobras angekündigt hat, ihr Sponsorenengagement bei Williams von derzeit rund sieben Millionen Dollar pro Jahr im Falle einer Verpflichtung Pizzonias zu verdoppeln.

Doch die Chancen auf das Cockpit im Rennauto haben sich deutlich zu Gunsten Heidfelds verändert. Bei den Testfahrten in Jerez Anfang Dezember kam es zu einem regelrechten Ausscheidungsrennen zwischen den beiden Anwärtern. Dabei war der Mönchengladbacher nicht nur regelmäßig und deutlich schneller, er lieferte den Ingenieuren außerdem präzise technische Aussagen und zeigte, dass er zur Weiterentwicklung des Autos beitragen könnte. Ein Punkt, der bekanntermaßen nicht gerade Pizzonias Stärke ist.

In diesen Tagen in Südspanien merkten offenbar auch die Verantwortlichen bei Williams, dass Heidfelds Geschick mehr wert ist als ein paar zusätzliche Millionen. Der 27-Jährige selbst spürte den Sinneswandel: Anfangs kam er sich noch ziemlich verloren im Team vor, im Gegensatz zu Pizzonia, „der ja jeden bei Williams schon seit ewigen Zeiten kennt“, wie Heidfeld sagte. „Aber nachdem sie mal was gesehen hatten, sind die ganz anders mit mir umgegangen.“ Plötzlich sah er die realistische Chance, nach seinen Engagements bei Prost, Sauber und Jordan endlich bei einem Spitzenteam unterzukommen.

Selbst Frank Williams gab sich beeindruckt von Heidfelds Vorstellung. Was ihn wohl auch nachdenklich gemacht haben dürfte, war der Umstand, dass Webber und Pizzonia seit ihrem gemeinsamen Jahr bei Jaguar 2003 nicht unbedingt die besten Freunde sind. Pizzonia warf Webber damals vor, er würde besseres Material bekommen. Webber bezeichnete seinen Teamkollegen daraufhin als „Lügner und Verlierertyp“. Eine Verpflichtung Heidfelds dürfte dem Team einige stressfreie Tage mehr bescheren. Zusätzliche Unterstützung für den Deutschen kommt vom Reifenpartner. Michelin hält sehr viel von Heidfeld, weil er als einer der besten Fahrer im Regen gilt. Bei diesen Bedingungen haben die Franzosen noch viel Entwicklungsarbeit vor sich, da könnten präzise Aussagen von Vorteil sein.

Williams’ Motorenpartner BMW stand ohnehin von Anfang an auf Heidfelds Seite. Zwar verwies man immer wieder darauf, dass die Entscheidung letztlich vom Rennstall getroffen würde. Aber Theissens Aussage, dass „der Schnellste fahren sollte“, wird auch Frank Williams vernommen haben. Werner Heinz jedenfalls hat sie gehört. Deswegen möchte Heidfelds Manager momentan eigentlich nicht viel sagen; er weiß, dass die Zeit für seinen Klienten arbeitet. „Wir warten ab“, erklärt Heinz. Und dann fügt er hinzu: „Aber es sieht sehr gut aus für Nick.“

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