Sport : Zu früh gejubelt

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Von Helen Ruwald

Hannover. Trommeln statt Touristen hatte der grüne Doppeldeckerbus von „Berlin City Tour“ geladen. Der Bus brachte Fans der Wasserballer von Spandau 04 zum vierten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft zum Volksbad Limmer nach Hannover. Statt Informationen zu Sehenswürdigkeiten rechts und links der Autobahn gab es fröhliche Gesänge. „Und schon wieder Deutscher Meister – S 04“, stimmten die Fans kurz vor der Ankunft an. Warum sollten sie auch zweifeln, schließlich hieß der Titelträger seit 1994 immer Wasserfreunde Spandau 04. Doch sie jubelten zu früh: Spandau verlor bei Waspo Hannover 5:7 (2:1, 1:1, 0:2, 2:3). Damit steht es im Play-off-Finale 2:2. Die Entscheidung fällt nun am Sonntag in Berlin (15 Uhr, Forumbad, Hanns-Braun-Straße).

An Bord des Fanbusses wäre fast auch der wegen mangelnder Trainingsbeteiligung suspendierte Ersatztorhüter Igor Uchal gewesen, doch weil die Klimaanlage kaum funktionierte, stieg er mit einigen anderen in einen Pkw um. Im vergangenen Jahr hatte Uchal beim Titelgewinn noch im Tor gestanden. Nun musste er mit ansehen, wie die Meistertrophäe, ein Wasserball auf einem Sockel, die auf einem Tischchen am Beckenrand bereitstand, wieder eingepackt wurde. So wie am vergangenen Sonntag im Forumbad. Dort hatten die Spandauer nach der 2:0-Führung in der Finalserie „eine peinliche Vorstellung abgeliefert“, wie Kapitän Patrick Weissinger zugab, und verloren. Deshalb mussten sie gestern in die Verlängerung, nach Hannover.

Die vergebene Chance am Sonntag schien die Berliner wachgerüttelt zu haben. Sie lagen zwar schnell durch ein Gegentor des künftigen Spandauers Marc Politze 0:1 zurück, spielten aber konzentriert und engagiert und gingen durch Treffer von Andreas Schlotterbeck, Slawomir Andruskiewicz und Dennis Wieder 3:1 in Führung. Dabei profitierten sie allerdings auch davon, dass Waspo in dieser frühen Phase das leere Tor nicht traf, den Ball nur an die Latte knallte und Überzahlspiele nicht nutzte. Dass die Gäste kurz vor der Pause noch auf 2:3 verkürzten, ärgerte Spandaus Präsident Hagen Stamm. „Das war unnötig, Spandau hat das Spiel im Griff gehabt. Jetzt wird es noch sehr haarig“, sagte er in der Pause.

Stamm sollte Recht behalten. Hannover glich kurz nach Wiederbeginn aus und ging schließlich 5:3 in Führung. Die Berliner hatten Chancen, scheiterten aber an Pfosten und Latte. Die beiden Treffer von Jens Pohlmann in der zweiten Halbzeit reichten nicht, um das Spiel noch einmal zu wenden. Am Ende reckten nur die Hannoveraner ihre Fäuste in den Himmel. Die Meisterfeier ist erneut verschoben. „Hannover hat verdient gewonnen. Es wird für uns nach zwei Niederlagen schwer, wieder auf die Füße zu kommen“, kommentierte Spandaus Trainer Peter Röhle enttäuscht.

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