Sport : Zu viel gesurft beim Segeln

Das deutsche Segelsyndikat Illbruck, Sieger der ersten Etappe beim Volvo Ocean Race von Southampton nach Kapstadt, gerät immer stärker unter Druck. Nach dem Protest der schwedischen Yacht Asso Abloy wurde gegen die Mannschaft um den US-amerikanischen Skipper John Kostecki von der Rennleitung nun ein zweiter Protest eingereicht, der zur Disqualifikation des Bootes führen könnte. Die Illbruck hatte als erstes Boot unter deutscher Flagge eine Etappe beim härtesten Rennen der Welt gewonnen.

Diesmal bezweifelt der offizielle Vermesser James Dadd, dass es sich bei der Yacht, die auf einer eigenen Werft in Leverkusen-Opladen gebaut wurde, um ein regelkonformes so genanntes V.O.R.-60-Schiff handelt. Dadd bemängelt am Propeller ein Messer, das hängengebliebenes Seegras vom Propeller und der Zuleitung abschneidet. "Nur Veränderungen, die beim Chefvermesser angemeldet und genehmigt sind, sind auch regelkonform", erklärt Dadd das Reglement: "Diese Änderung wurde nicht angemeldet und nicht genehmigt."

Der erste Protest soll am heutigen Donnerstag von der internationalen Jury unter Vorsitz des Briten Bryan Willis in Kapstadt verhandelt werden. Dem deutschen Team wird vorgeworfen, beim Segeln zu viel gesurft zu haben. Es soll aus dem Internet mehr Informationen über Wetter- und Windbedingungen als erlaubt abgerufen haben. Laut Assa Abloy habe die Illbruck regelwidrig eine Seite mit spanischen Wetterdaten genutzt. Tatsächlich hatte sich die deutsche Yacht beim Passieren der spanischen Küste enger an Cap Finisterre herangewagt als andere Boote und während dieser Passage ihre knappe Führung verteidigt.

Nicht bewiesen ist jedoch, dass die Informationen für diesen Kurs von der umstrittenen Internet-Seite stammen. "Unser Team gibt zu diesem Protest vor der Anhörung keinen Kommentar ab", sagte Jane Eagleson, Pressesprecherin der Illbruck, in Kapstadt. Je nach Entscheidung der Jury ist in diesem Falle ein Urteil von Freispruch über Verwarnung bis hin zum Punktabzug möglich. Die neuen Vorwürfe, über die voraussichtlich am Freitag entschieden wird, sind allerdings wesentlich schwerwiegender.

Der zweite Startschuss im Volvo Ocean Race 2001 - 2002 fällt am 11. November zu Füßen des berühmten Tafelbergs in Kapstadt. Die Etappe führt die acht Hightech-Yachten über 6550 Seemeilen nach Sydney. Die Crews werden dabei mit den härtesten Segelbedingungen konfrontiert, die überhaupt möglich sind. Die so genannten Brüllenden Vierziger und Schreienden Fünfziger Breitengrade sind dabei zu bewältigen, wo die Segler immer mit orkanartigen Schneestürmen, haushohen Wellen und gefährlichem Eis zu rechnen haben.

Ingesamt geht der bekannteste Meeres-Marathon für Hochsee-Rennyachten über neun Etappen. In rund neun Monaten bewältigen die Crews dabei 32 250 Seemeilen durch vier Ozeane, werden damit einmal um die Erde gesegelt sein. Das Volvo Ocean Race endet am 9. Juni 2002 mit Zieldurchgang vor dem Kieler Hindenburgufer auf der Kieler Innenförde, wo ein spektakulärer Empfang geplant ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben