Sport : Zu wenig billige Punkte

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Berlin. Die Gäste hatten einen Hornbläser mitgebracht. Vor dem Spiel blies der Mann eine kleine Ode auf seine Mannschaft. Vier Stunden später stimmte er ein weiteres Lied an. Sein Team, der FSV Kroppach, hatte in der Zwischenzeit das Hinspiel um die deutsche Meisterschaft bei 3B Berlin mit 6:3 gewonnen. Vor 350 Zuschauern hatten die Tischtennisspielerinnen beider Vereine alles geboten, was diesen Sport ausmacht: spektakuläre Ballwechsel und enorme Spannung. „Es war ein großes Spiel, die Zuschauer waren begeistert“, sagte Rainer Lotsch, Manager bei 3B. Nur das Ergebnis war aus Sicht der Berliner unbefriedigend.

So klar, wie es das Ergebnis aussagt, war das Match nicht. „Es hätte auch 6:2 für uns ausgehen können“, sagte Christina Fischer, die Spielerin Nummer vier der Berlinerinnen. Ihre Mannschaft hatte gestern alle vier Fünfsatzspiele knapp verloren. „Die Kroppacher hatten einfach die größere Erfahrung“, sagte Manager Lotsch. Allen voran die deutsche Rekord-Nationalspielerin Nicole Struse. Die als exzentrisch geltende Struse hatte spielerisch nicht ihren besten Tag erwischt. Doch ihr Siegeswille war bedingungslos. In Berlin lautete ihr Motto: „Wenn man sich nicht auf seine Schläge verlassen kann, muss man mit Tricks arbeiten und billige Punkte machen.“

Ein Trick ist es etwa, den Spielfluss der Gegnerin zu stören. Beim Stand von 1:2 Sätzen und 4:6 Punkten gegen Veronika Pavlovitch lamentierte sie beispielsweise wegen eines Balles, den sie an der Kante gesehen haben wollte. Das hatte sonst niemand. Kurz darauf führte Struse mit 10:6, gewann den Satz und dann das Spiel. „Zu diesem Verhalten will ich mich nicht äußern“, sagte Lotsch. Auf internationaler Ebene sind solche Tricks allerdings nicht ungewöhnlich.

Die Chancen der Mannschaft von 3B für das Rückspiel in Kroppach sind durch die deutliche Heimniederlage geschrumpft. Die Berlinerinnen müssen kommenden Sonntag mindestens mit 6:2 gewinnen, um doch noch Deutscher Meister zu werden. Aber abgeschrieben hat Rainer Lotsch sein Team noch nicht. „Wir werden nicht nach Kroppach fahren, um Pfingsturlaub zu machen. Wir können dort auch hoch gewinnen.“ Mit Spannung bis zum Schluss rechnet auch Nicole Struse: „Man muss darauf vorbereitet sein, dass es bei uns knapp wird.“ Und genau diese Einstellung ist es, die sie so gefährlich macht. Jörg Petrasch

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