Sport : Zur Kasse, bitte, bitte!

Union braucht Geld – das Spiel gegen Frankfurt ist 2002 die letzte Einnahmequelle

André Görke

Berlin. Ein markiger Spruch wäre nicht übel, kernige Worte. Mirko Votava, der Trainer des Zweitligisten 1. FC Union, sagt: „Wir dürfen gegen Frankfurt nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren.“ Naja. Votava hat viele Jahre in der nordfriesischen Provinz gearbeitet. Die Menschen dort gelten als etwas dröge. Vielleicht liegt es daran.

Dabei hat Union in diesen Tagen Werbung nötig. Heute Abend spielt der Klub gegen den Tabellendritten Eintracht Frankfurt (19 Uhr, Stadion an der Alten Försterei). Normalerweise würden gegen den ehemaligen Erstligisten die Herren am Kassenhäuschen viel zu tun bekommen. Doch da das Spiel live im Fernsehen übertragen wird, befürchten sie, dass viele Fans lieber in der warmen Kneipe sitzen und dort das Spiel sehen. Das Spiel zeigt der Pay-TV-Sender „Premiere“ – davon hat Union wenig. „Wir können das Spiel nicht zusätzlich vermarkten, da die Zuschauerquote bei Premiere gering ist“, sagt Unions Geschäftsführer Bernd Hofmann.

Wenn Unions Heimspiele vom Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) übertragen werden, ist das anders. Da bleiben zwar viele Zuschauer zu Hause, „aber da jeder das Spiel sehen kann, können wir das Spiel selbst noch vermarkten“, sagt Hofmann. Das heißt, Union kann zum Beispiel Firmen ansprechen, die nur bei diesem Spiel werben. So kämen neben den Eintrittsgelder Einnahmen von etwa 40 000 Euro hinzu.

Union benötigt das Geld: Im Etat ist ein Loch von etwa 300 000 Euro. Dass Union zwei Übertragungen durch das DSF im Etat eingeplant hat, ist da noch nicht einmal einkalkuliert. Es fehlen also weitere 80 000 Euro. „Wir hoffen, dass wir diese Einnahmen in der Rückrunde erzielen können“, sagt Hofmann. Nach der Winterpause kommen Klubs wie Freiburg, Köln und Braunschweig. Das DSF überträgt lieber Spiele aus den Ballungsgebieten West und Südwest. So haben Unions Spiel in Köln immerhin zwei Millionen Menschen gesehen. Werbung aber war das wohl kaum – Union hat 0:7 verloren.

Jetzt kommen die kalten Tage und eh weniger Fans ins Stadion. Noch liegt Union knapp unter dem kalkulierten Zuschauerschnitt. Mit 9000 Fans haben sie gerechnet, pro Heimspiel macht das bei einem Nettopreis von knapp sieben Euro etwa 60 000 Euro Einnahmen. Dass in den letzten Heimspielen gegen Lübeck und Trier besonders viele Zuschauer kommen, ist fraglich. Das Spiel heute Abend ist Unions letzte anständige Einnahmequelle in diesem Jahr.

Warum aber auch sollten die Fans die Stadionkassen einrennen? Der Klub liegt zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Der neue Trainer Mirko Votava gibt gegen Frankfurt zwar seine Heimpremiere, er hat aber vor einer Woche 0:3 in Aachen verloren. Und gegen Frankfurt fallen jetzt auch noch Sreto Ristic und Tom Persich aus, der Einsatz von Chibuike Okeke ist zudem fraglich. Zumindest Steffen Baumgart hat sich wieder fit gemeldet. Die beste Antwort aber haben die Fans parat. „Live ist immer noch im Stadion“, sagen sie.

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