Sport : Zurück im Wald

Im Langlauf der Frauen überzeugt nur Sachenbacher

Marc Beyer

Sapporo - Irgendwann wird auch Claudia Künzel-Nystad aus den Wäldern zurückgekehrt sein. Später an diesem Nachmittag, als sich die Reihen gelichtet hatten und die Journalisten verschwunden waren, um das Ergebnis des Zehn-Kilometer-Freistilrennens in die Heimat zu übermitteln. Zu deren Analyse hatte Künzel nicht viel beigetragen außer ein paar dürren Sätzen im Fernsehen, wo sie ihren 15. Platz einordnen sollte. Dann wurde sie zurück in die Loipe geschickt und hinein in die Wälder. Auslaufen, Abstand gewinnen.

„Schon den ganzen Winter läuft es bei mir nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagte Claudia Künzel-Nystad, was soll sie da noch sagen? Ratlos machte sie sich auf den Weg in den Wald. Die Erfolgsgeschichten bei den deutschen Frauen schreibt in diesen Tagen Evi Sachenbacher-Stehle. Auch gestern lief sie ein bravouröses WM-Rennen, wie im Teamsprint mit Künzel (Zweite) und in der Doppel-Verfolgung (Vierte). Mit Platz sechs war sie „total zufrieden“, zumal Einzelstarts, in denen sie sich nicht an anderen Läuferinnen orientieren kann, nicht ihre Stärke sind. Entsprechend ungläubig nahm sie zur Kenntnis, als ihr unterwegs bedeutet wurde, „ich hole brutal auf und kämpfe um eine Medaille“. Die Skepsis war berechtigt. Knapp 16 Sekunden trennten sie letztlich von der drittplatzierten Italienerin Ariana Follis, die nur von der Siegerin Katerina Neumannova (Tschechien) und der Russin Olga Savialova übertroffen wurde.

Auf Sachenbacher ist in Sapporo Verlass. „Den Schwung vom Teamsprint“ habe sie mitgenommen, lobt Jochen Behle. „Sie gehört zur Crème de la Crème.“ Frühzeitig hat sich der Bundestrainer festgelegt, dass Sachenbacher im morgigen Staffelrennen Schlussläuferin sein wird. Vor einem Jahr beim Gewinn der olympischen Silbermedaille trug noch Künzel als Nummer vier die größte Verantwortung, doch von der Form jener Tage, als sie sich im Sprint gegen Italienerinnen und Schwedinnen behauptete, ist sie derzeit weit entfernt.

Überrascht ist Behle davon nicht. Der Saisonverlauf ließ bereits erwarten, „dass hier kein Wunder passiert“. Im Frühling will er „Analysen vornehmen“, die sich mit den Veränderungen in Künzels Sportlerleben befassen. Vor dieser Saison verließ sie den Olympiastützpunkt Oberwiesenthal, um unter der Anleitung ihres norwegischen Ehemannes Trond Nystad zu trainieren. „Sehr, sehr viele Dinge sind neu und müssen erst mal geordnet werden“, bemerkt Behle.

Das gilt auch für Steffi Böhler, morgen die Startläuferin und gestern als 27. abgeschlagen. Im Sommer ist sie zu Wolfgang Pichler in die Trainingsgruppe um Sachenbacher gewechselt. Noch hat sich der Umzug nicht ausgezahlt. „Hoffentlich im nächsten Jahr“, sagt sie nun. Viel Selbstvertrauen jedenfalls „habe ich diesen Winter nicht getankt“. Für die Staffel nicht die besten Vorzeichen. Sachenbacher kündigt an, man werde im Teamquartier „Aufbauarbeit leisten“. Baustellen gibt es zur Genüge.

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