Sport : Zurück in den Sommer

Bayerns Schweinsteiger findet vor dem Spiel gegen Mailand zu alter Form

Frank Hellmann

Hannover - Viel gesprochen hat Bastian Schweinsteiger in den vergangenen Monaten selten. Mit über das Haupthaar gezogener Kapuze oder kopfschüttelnd und schweigend verließ der Bayern-Star in schöner Regelmäßigkeit die Fußballstadien dieser Republik. Und auch sein Redebedarf auf dem Münchner Trainingsgelände an der Säbener Straße war verhältnismäßig begrenzt. Warum sprechen, wenn alle um mich herum so viel reden, dachte sich der 22-Jährige. Zudem: Wer sich im Fokus der Öffentlichkeit von der Freundin trennt, in der Post-WM-Spielzeit im wochenlangen Leistungsloch steckt oder den heftigen Zorn des eigenen Managers spürte (Uli Hoeneß: „Er muss endlich merken, dass dieses Sommermärchen vorbei ist“), bei dem hält sich der Mitteilungsbedarf naturgemäß in Grenzen.

Doch ausgerechnet Schweinsteiger ist es, der nun den FC Bayern vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen den AC Mailand am Mittwoch (20.45 Uhr, live auf Premiere) stark redet. „Milan ist stärker als Real. Und Kaka schneller als jeder andere Spieler. Aber wir werden weiterkommen, wenn wir keine Fehler machen.“ Gesagt hat der Mittelfeldspieler diese Sätze am Ostersamstag, als Schweinsteiger den Münchnern mit seinem sehenswerten 2:1-Siegtor bei Hannover 96 unerfreuliche Feiertage ersparte. Allerdings erlitt Schweinsteiger in dem Spiel eine Knieprellung, sein Einsatz gegen Mailand ist fraglich. „Es wäre ein herber Verlust, wenn er ausfallen würde“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld am Montag. „Noch haben wir Hoffnung, dass er spielt.“ Schweinsteiger ist am Samstag wieder wichtiger für die Bayern geworden, und Manager Hoeneß darf für sich in Anspruch nehmen, den befreienden Schweinsteiger-Schuss nach einer besorgniserregenden ersten Hälfte mit seiner Verbalattacke vielleicht herausgefordert zu haben.

Fakt ist, dass der Vorstoß im Zusammenwirken mit der nachfolgenden Streicheleinheit von Ottmar Hitzfeld die Wirkung nicht verfehlte. Noch am Morgen des Spiels suchte der Trainer das Zimmer Schweinsteigers auf. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht so schlecht gesehen habe wie andere. Und ich habe ihm klargemacht, dass man im Leistungssport nur mit Leistung erfolgreich sein kann.“ Irgendwie war es also kein Zufall, dass eben Schweinsteiger („Ich höre auf den Trainer“) zum 2:1 traf. Ein Tor, das an selige WM-Zeiten erinnerte. Zufrieden war Hoeneß trotzdem noch nicht: „Er ist nach wie vor weit davon entfernt, so zu spielen, wie ich mir das vorstelle.“ Eine Aussage, die Schweinsteiger unaufgeregt hinnahm an einem Tag, an dem er entspannt über den Manager parlierte („Er ist der beste der Liga und darf das alles sagen“) und lächelnd mit den Fans fürs Handyfoto posierte. Zumindest er schien jene Lockerheit gefunden zu haben, die man in München gegen den AC Mailand dringend benötigt. Gleichwohl ist noch ein bisschen mehr vonnöten.

„Das wird eine ganz heiße Kiste, die Weltmeister wissen genau, wie man auswärts gewinnen kann“, sagt Kahn. Seinen Mitspieler Schweinsteiger nimmt der Kapitän nur als Beispiel, um an weitere schlummernde Stärken in seiner Mannschaft zu erinnern. Beiden dämmert übrigens, dass es ungeachtet aller internationalen Ambitionen der dringende bajuwarische Auftrag ist, vor allem die Bundesliga-Saison zu retten. „Für uns zählt nur das Finale um Platz drei“, sagt Kahn. „Denn es kann nicht sein, dass wir nächste Saison in der Champions League nicht dabei sind und solche Abende wie gegen Milan nicht erleben dürfen“, ergänzt Schweinsteiger.

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