Sport : Zurück in der Realität

Nach den jüngsten Sternstunden verliert Alba Berlin im Uleb-Cup 65:80 gegen Badalona

Helen Ruwald

Berlin - Ein weiteres „Ich war dabei“-T-Shirt würde es nicht geben, so viel stand gestern Abend schnell fest. Auch eine neue DVD von einem Jahrhundertspiel muss der Basketball-Bundesligist Alba Berlin nicht auf den Markt bringen. Nach dem spektakulären Sieg nach fünf Verlängerungen gegen Sarajevo und dem 80:60 beim Deutschen Meister Bamberg kamen die Profis gestern wieder in der Realität an. Beim 65:80 (32:42) in der Max-Schmeling-Halle gegen das spanische Topteam Joventut Badalona stand Alba Berlin nie im Verdacht, als Sieger vom Feld zu gehen. Für die Gastgeber war es im vierten Uleb-Cup-Heimspiel die erste Niederlage, Badalona dagegen bleibt in diesem Wettbewerb ungeschlagen. Beste Werfer waren Badalonas Demond Mallet (27 Punkte, 7 Dreier) und Albas Bobby Brown (23). „Wir hatten nicht genug Aggressivität und Energie“, sagte Berlins Trainer Luka Pavicevic.

Bei Badalona fehlte der 17 Jahre alte Jungstar Ricky Rubio verletzt, doch sein Ausfall schwächte die Spanier weniger als Alba der von Julius Jenkins. Der US-Amerikaner, der gegen Sarajevo noch 33 Punkte gemacht hatte, saß mit einer Knieprellung auf der Tribüne. Auch ohne ihn sah es in den ersten Minuten gar nicht schlecht aus für sein Team. Badalona ging zwar durch zwei schnelle Dreipunktewürfe mit 6:2 in Führung, doch Albas Spielmacher Bobby Brown konterte mit sechs Zählern. Als der Ball nach einem Distanzwurf von Brown auf dem Ring tanzte, wurde die Stimmung unter den 6180 Fans wieder so ausgelassen wie gegen die Bosnier vor einer Woche. Der Ball fiel in den Korb, Alba führte 12:10.

Doch die Spanier bewiesen nun, dass sie eine Klasse für sich sind. Sie waren schneller, cleverer, hatten körperliche Vorteile und erarbeiteten sich bis Mitte des zweiten Viertels einen Vorsprung von elf Punkten (27:16). Vor allem der frühere Bundesligaspieler Demond Mallet war nie zu stoppen. Typisch für Alba war in dieser Phase eine Szene, in der Thompson und Subotic beim Weg zum Korb nur einen Gegenspieler vor sich hatten – und ihm den Ball genau in die Arme warfen. Trotz physischer und womöglich auch geistiger Müdigkeit nach der aufregenden letzten Woche gab Alba nicht auf und kam wieder auf 26:30 heran. Dann aber traf Mallet wieder einen Dreier und Badalona lag zur Pause mit zehn Punkten vorn.

In der zweiten Halbzeit wurden die Berliner zunächst vorgeführt und Badalona zog mit dem deutschen Nationalspieler Jan Jagla schnell auf 54:36 davon. Doch die Fans ließen sich den Abend nicht verderben: Sie klatschten und jubelten unverdrossen bei jedem Punkt, bei einem Korb von Thompson mit der Sirene und einen Dreier von Brown zum 55:67 feierten sie, als wäre es die Wende. Doch dazu kam es nicht, die Fans müssen sich mit Gedanken an die glorreiche letzte Woche trösten – die T-Shirts zum Krimi gegen Sarajevo waren schnell ausverkauft.

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