Sport : Zurück zum Dialog

Einen Tag nach Ausschreitungen Dresdener Fans in Hannover spricht sich der Fan-Gipfel gegen Gewalt aus.

Jörg Leopold/Lars Spannagel
Krawall statt Fußball. Polizisten gehen in Hannover gegen Dresdner Fans vor. Foto: dpa
Krawall statt Fußball. Polizisten gehen in Hannover gegen Dresdner Fans vor. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Um kurz nach 18.30 Uhr war es tatsächlich vollbracht. Mehr als sechs Stunden lang hatten 250 Fanvertreter von 49 deutschen Fußballvereinen miteinander diskutiert, am Ende verhandelten sie Satz für Satz und Wort für Wort – und konnten sich auf eine gemeinsame Position einigen. In ihrer Abschlusserklärung sprachen sich die Teilnehmer des Berliner Fangipfels gestern eindeutig gegen Gewalt rund um den Fußball aus – nicht nur von Fans, sondern auch von Polizisten und Sicherheitskräften. Die zentrale Forderung des Kommuniqués richtet sich an die Vereine und Verbände, die die Fans mit „einem verbindlichen Angebot“ stärker in Entscheidungsprozesse rund um das Thema Sicherheit einbinden sollen.

Am 12. Dezember will die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über ein von den Fans abgelehntes Sicherheitskonzept entscheiden. In der Erklärung heißt es, der Termin sei „aus unserer Sicht nicht einzuhalten“. Die Erklärung schließt mit einem Appell an die Politik, Vereine und Fans nicht für den Wahlkampf zu missbrauchen. Anhänger des 1. FC Union hatten Fans aus ganz Deutschland nach Köpenick geladen, viele waren gekommen. Auch der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig, der sein Amt zum neuen Jahr antritt, stellte sich den Fragen. Rettig empfahl allen Beteiligten, „verbal abzurüsten“.

Umso besorgter reagierte er auf die Vorfälle am Abend zuvor in Hannover, wo Anhänger von Dynamo Dresden beim Pokalspiel ihrer Mannschaft randaliert hatten. „Durch die Vorfälle wird den Hardlinern neue Nahrung gegeben“, sagte er. Bei den Ausschreitungen wurden neun Menschen verletzt, 18 Personen mussten vorübergehend in Gewahrsam genommen werden. Polizeiangaben zufolge versuchten Dresdner Fans schon vor dem Spiel, gegnerische Anhänger anzugreifen. Am Stadion sollen anschließend etwa 1400 Dynamo- Fans die Zugänge gestürmt haben, was zum Teil auch klappte. So konnten einige hundert Personen unkontrolliert in die Arena gelangen. Aus Sicht der Dresdner stellt sich die Situation jedoch anders dar. Bei Facebook berichten Fans davon, dass sie mehrere Stunden am Einlass warten mussten, weil nur ein Zugang geöffnet gewesen sei. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff sei die Situation dann eskaliert, auch weil Ordner und Sicherheitskräfte mit dem großen Andrang Dresdner Zuschauer überfordert gewesen sein sollen. Die Polizei widerspricht dieser Darstellung. Nach dem Abpfiff verschafften sich einige Dresdner Zutritt zum Innenraum, kehrten nach Aufforderung allerdings widerstandslos in ihren Block zurück.

Den Dresdnern droht nun der Ausschluss aus dem Pokal, nachdem ihre Fans erst vor zwölf Monaten in Dortmund randaliert hatten. Normalerweise hätte Dynamo deswegen überhaupt nicht am diesjährigen Wettbewerb teilnehmen sollen. Doch der zunächst verhängte Ausschluss wurde in eine Geldstrafe plus Geisterspiel umgewandelt. Trotzdem soll der Dialog innerhalb der Fanszene weitergehen: Die Teilnehmer des Fangipfels vereinbarten, in naher Zukunft erneut zusammenzukommen.Jörg Leopold/Lars Spannagel

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