Sport : Zurück zum Sozialamt

Karsten Doneck

Klaus Berge hatte seine Mitteilung gemacht. "Irgendwie herrschte danach so eine melancholische Stimmung im Raum", sagte der Manager des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Berge hatte in dem winzigen Trainerzimmer des Stadions An der Alten Försterei Cheftrainer Georgi Wassilew davon in Kenntnis gesetzt, dass er, Berge, zum 31. Mai dieses Jahres seinen Job gekündigt habe, "aus rein privaten Gründen".

Georgi Wassilew und Klaus Berge - das Arbeitsverhältnis zwischen ihnen war stets geprägt von höchster gegenseitiger Wertschätzung, ein Vertrauensverhältnis, in dem ein Fachmann dem anderen Respekt zollte. Klaus Berge sagt: "Ich bin ja primär wegen Georgi nach Berlin gekommen, wir beide haben dieselbe Auffassung von Fußball." Bald gehen sie wieder getrennte Wege. Grund: Berge hat zwar beim 1. FC Union einen Vertrag bis zum 30. Juni 2004 unterzeichnet, aber schon bei seinem Amtsantritt im Oktober vorigen Jahres darauf hingewiesen, dass er als Beamter der Stadt Recklinghausen nur bis zum 31. Mai dieses Jahres freigestellt ist. Union bemühte sich darum, für Berge eine Anstellung im Bezirksamt Köpenick zu finden - vergeblich.

Die Frist der Freistellung für den Fußball lief schon seit dem 1. Januar 2000, als Berge noch Trainer bei RW Essen war. Und sie läuft jetzt endgültig ab - ohne Chance auf Verlängerung. Berge stand also vor der Entscheidung. Er hätte weiter im Fußballgeschäft arbeiten können, dafür aber seinen Beamtenstatus opfern müssen. Oder er kehrt eben pflichtschuldig wieder in sein früheres Arbeitsverhältnis als Oberinspektor beim Sozialamt Recklinghausen zurück. Berge, verheiratet und Vater von zwei Töchtern (9 und 12 Jahre alt) sowie eines Sohnes (6), wählte die sichere Seite: "Der Beamtenstatus ermöglicht mir und meiner Familie ein wirtschaftlich sorgenfreies Leben."

Die Finger vom Fußball mag er indes nicht lassen. Zumal der 40-Jährige die Fußballlehrerlizenz besitzt. "Vielleicht gehe ich ja tagsüber normal arbeiten und trainiere nach Feierabend eine Oberliga- oder Verbandsligamannschaft", sagt er. "Oder ich arbeite halbtags und übernehme dann einen Regionalligisten, wer weiß?"

Union steht nun in Kürze wieder ohne Manager da. Ein neuer soll her. Geschäftsführer Bernd Hofmann will nichts überstürzen. "Wir lassen uns Zeit", meint Hofmann, "denn wir brauchen nicht nur einen Mann mit Fachkompetenz, sondern er muss auch zu Union passen." Zu Union - und zu Wassilew, damit die düstere Stimmung des Bulgaren rasch verschwindet.

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