Zuspieler der Berlin Volleys : Sebastian Kühner: Im Alter liegt die Stärke

Heute Abend wird es ernst für die Volleys. Die Erfahrung von Zuspieler Sebastian Kühner könnte die Berliner ins Play-off-Finale gegen Friedrichshafen führen.

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Sebastian Kühner (links) litt lange an einer Bauchmuskelzerrung. Seit wenigen Wochen ist er wieder fit. Nun soll er sein Team entlasten.
Sebastian Kühner (links) litt lange an einer Bauchmuskelzerrung. Seit wenigen Wochen ist er wieder fit. Nun soll er sein Team...Foto: imago/Nordphoto

Mit Zuspielern im Volleyball ist es manchmal wie mit gutem Wein: je älter, desto besser. Nun ist Sebastian Kühner vom Deutschen Meister BR Volleys keinesfalls alt. Aber er ist 30 und im Leistungssport ist dieses Alter kein Kompliment. „Dabei“, sagt Kühner, „sind die besten Zuspieler meist über 30.“ Kühner glaubt deshalb: „Es kann gut sein, dass meine besten Jahre noch kommen.“

Im Sport wird aber in der Regel nicht in Jahren, sondern in Wochen oder vielmehr von Spiel zu Spiel gedacht. Und für die BR Volleys steht am Donnerstagabend gegen die United Volleys RheinMain (Beginn 19.30 Uhr/Max-Schmeling-Halle) eine derart wichtige Begegnung an, dass es den Verantwortlichen des Klubs ganz recht wäre, würde Kühner nicht mit Mitte Dreißig, sondern schon heute seine beste Leistung zeigen.

Für die Berliner geht es in der Bundesliga um den Einzug ins Play-off-Finale gegen den ewigen Rivalen aus Friedrichshafen. Sollten die Volleys dieses letzte Spiel nach dem Modus „Best-of-three“ verlieren, hätten sie nicht nur das Primärziel Meisterschaft verpasst, sondern auch die Qualifikation für die Champions League. Den nationalen Pokal hatten die Berliner schon Anfang dieses Jahres den Friedrichshafenern überlassen müssen.

Für die Volleys und Kühner ist dies ein schreckliches Szenario. Und es tauchte so plötzlich auf. Noch am vergangenen Mittwoch schafften die Berliner mit dem Sieg gegen Dynamo Moskau den Einzug ins Final Four der Champions League Ende April in Rom – einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Am Sonntag dann folgte die unerwartete Niederlage gegen United und alles war anders. „Wir haben keine Angst“, behauptet Kühner. Der Berliner ist neben Felix Fischer eine der Identifikationsfiguren der Volleys.

Seit wenigen Wochen ist Kühner wieder fit

Dabei war sein Standing unter dem aktuellen Trainer Roberto Serniotti nicht immer das beste. In der vergangenen Saison erhielt Kühner nur sehr wenig Spielzeit.

Er war zweite Wahl hinter dem sehr talentierten, aber nicht so erfahrenen Tsimafei Zhukouski. Erfahrung ist aber eine entscheidende Komponente eines Zuspielers. „Mit den Jahren bekommt man einen besseren Blick fürs Spiel. Man erkennt dann auch schneller, welcher Mitspieler gut und welcher weniger gut drauf ist“, erklärt Kühner, zu dessen großen Fürsprechern auch der ehemalige Bundestrainer Vital Heynen gehört.

Von all den guten Volleyball-Trainern ist der Belgier, aktuell beim Bundesligisten VfB Friedrichshafen unter Vertrag, vielleicht einer der besten. Heynen gilt als jemand mit dem speziellen Blick für verborgene Potenziale. Und weil das so ist, darf sich Kühner geschmeichelt fühlen. Vor wenigen Monaten hatte Heynen gesagt: „Sebastian ist ein toller Spieler. Es ist eigentlich ein Jammer, dass er jetzt erst regelmäßig zum Einsatz kommt.“

Als Heynen sein Bedauern über das einstige Reservistendasein von Kühner beim Deutschen Meister ausdrückte, lief es richtig gut für den Zuspieler. Kühner bekam plötzlich viel Einsatzzeit von Serniotti. Der Italiener schien endlich mal die Potenziale des Spielers erkannt zu haben. Doch gerade in dieser Phase zog sich der Nationalspieler eine schwere Bauchmuskelzerrung zu. Zwei Monate lang absolvierte er nur Minuten-Einsätze.

Zhukouski und Kühner wollen einander helfen

Seit wenigen Wochen ist Kühner wieder fit. Dieser Umstand kann die Volleys nun vor einer enttäuschenden Saison bewahren. Wenn es für europäische Spitzenteams, die in mehreren Wettbewerben vertreten sind, in die entscheidende Saisonphase geht, folgt ein Spiel auf das nächste. Volleyball kann eine Knochenmühle sein.

„Am vergangenen Sonntag hat man schon gemerkt, dass wir nicht frisch waren“, sagt Kühner. Er selbst bekommt in den vergangenen Wochen immer etwas mehr Spielzeiten. „Ich bin wieder topfit“, sagt er: „Ich kann für Entlastung sorgen.“

Das kann man als Aufforderung an Serniotti verstehen, ihn dem etwas durchhängenden Zhukouski vorzuziehen. Dem ist aber nicht so. Beide wollen – so die Beteuerung – einander eher helfen als übertrumpfen. Gegen die Gäste aus Frankfurt dürfte eine konstruktive Zusammenarbeit vonnöten sein. Es geht um viel, auch wenn sich Kühner unerschütterlich gibt. „Es herrscht bei uns sehr, sehr große Zuversicht“, sagt er.

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