Sport : Zwei Freunde, ein Stammplatz

Oliver Schröder hat Thorben Marx aus Herthas Mittelfeld verdrängt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Thorben Marx und Oliver Schröder müssten ein Problem miteinander haben. Eigentlich sind die beiden Fußballprofis von Hertha BSC sehr gut befreundet. Vor sieben Jahren, als sie in Herthas A-Jugend spielten, begann ihre Freundschaft. „Wir haben uns einfach auf Anhieb gemocht“, sagt Schröder. Seitdem teilen sie sich in Trainingslagern oder bei Auswärtsfahrten ein Zimmer. Das Problem ist, dass die beiden auf derselben Position, nämlich im rechten Mittelfeld, spielen. In dem von Trainer Falko Götz derzeit favorisierten System ist nur für einen der beiden Platz. „Wir können das aber so gut trennen, dass es unsere Freundschaft nicht belastet“, sagt Marx.

Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstagnachmittag gelang dem 25 Jahre alten Oliver Schröder ein Tor, ein sehr wichtiges sogar. Denn vor seinem Treffer zum 1:0 hatte es eine Halbzeit lang nicht unbedingt nach einem Sieg im ersten Heimspiel der Saison ausgesehen. „Ich habe doch schon immer gesagt, dass ich offensiv stärker bin“, sagt Schröder. „Meine besten Spiele habe ich im rechten Mittelfeld unter Friedhelm Funkel in Köln gemacht“, sagt er. „Dann wurde er leider gefeuert.“ Besonders froh dürfte Funkel seit Samstag nicht mehr sein, dass er Schröder einst seine Qualitäten in der Offensive gezeigt hatte. Funkel ist jetzt Frankfurts Trainer – und Schröder leitete mit seinem Tor die zweite Saison-Niederlage seines ehemaligen Trainers ein.

Schröder dürfte das Tor wohl einen Stammplatz in den nächsten Spielen einbringen. Und seinem Freund Thorben Marx zum wiederholten Male einen Platz auf der Tribüne. Zudem kehrte Yildiray Bastürk nach ausgestandener Verletzung wieder in die Mannschaft zurück. Mit ihm ist der Konkurrenzkampf in Herthas Mittelfeld sehr groß.

Selbst der 27-jährige Ellery Cairo, den Hertha im Sommer für die rechte Mittelfeldposition vom SC Freiburg geholt hatte, musste während Herthas erstem Saisonspiel bei Hannover 96 auf der Bank sitzen, obwohl er fit war. Cairo war nur deswegen ein Thema geworden, weil Hertha mit Marx nicht ganz zufrieden war und Schröder dieser Leistungssprung wohl nicht zugetraut wurde. Jetzt spielt Oliver Schröder, und Marx und Cairo müssen zuschauen.

Direkte Konkurrenten sind Thorben Marx und Oliver Schröder momentan also nicht. Denn Marx muss sich erst einmal zurück in den Kader kämpfen. Für ihn völlig überraschend stand er gegen Hannover 96 nicht im Kader der Berliner. Erklärt hatte Trainer Götz ihm das nicht. Marx war daraufhin sauer und äußerte das auch öffentlich: „Wenn der Trainer mich auf die Tribüne schickt, kann er mir das auch erklären“, sagte er. Und Götz kritisierte ihn scharf: „Ich bin unzufrieden mit seiner gesamten Entwicklung“, sagt Götz. „Da muss mehr kommen.“ Am vergangenen Dienstag haben die beiden dann miteinander gesprochen. „Der Trainer hat mir erklärt, dass ich mich im Training mehr einsetzen muss.“ Ob Marx die Erklärung seines Trainers einsieht? Der 24-Jährige lächelt und wendet sich ab.

Marx und Schröder, die beiden haben die Rollen getauscht. Götz galt lange als der große Förderer von Marx. Er machte ihn im Frühjahr 2002, während seiner Zeit als Interimstrainer bei Hertha, zum Stammspieler. „Oliver Schröder hat Marx klar überholt“, sagte Götz nach dem Spiel gegen Hannover 96. Da hatte Schröder noch mäßig gespielt, gegen Frankfurt war er nicht nur wegen seines Tores richtig gut.

Herthas Trainer ist nicht der einzige Fan des gebürtigen Berliners. Seit seinem Tor klingelt das Handy Schröders fast im Minutentakt. „Da prasselt schon eine ganze Menge auf dich ein“, sagt Oliver Schröder. „Unangenehm ist das zwar nicht, aber eigentlich bin ich nicht der Typ dafür.“ Möglicherweise gefällt Trainer Götz genau das an seinem Mittelfeldspieler.

Thorben Marx gratulierte Oliver Schröder zu seinem Tor. „Er ist in der Kabine zu mir gekommen und hat mich beglückwünscht“, erzählt Schröder.

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