Sport : Zwei Tore gegen die Angst

Die Brasilianer Marcelinho und Alex Alves treffen bei Herthas erstem Sieg in Cottbus

André Görke

Cottbus. Dieter Hoeneß kam dem Brauch dieses Mal sehr gerne nach. In das große Buch der Gastgeber, wo sich Manager und Trainer der auswärtigen Mannschaft verewigen, schrieb Hoeneß: „Endlich können wir Cottbus mal mit einem strahlenden Gesicht verlassen.“ Hoeneß schrieb diesmal besonders groß. Was natürlich seinen Grund hatte. Drei der vier Spiele gegen Cottbus hatte Hertha bis gestern Nachmittag verloren. In Cottbus gewannen die Berliner noch nie, weshalb schon die Rede vom Angstgegner war. Seit gestern ist das aber Geschichte. Hertha gewann vor 13 612 Zuschauern durch Tore von Marcelinho und Alex Alves mit 2:0 (2:0).

In gewisser Weise gebührt den Amateuren von Brandenburg Süd 05 ein besonderer Dank. Für Alex Alves waren sie so etwas wie ein Aufbaugegner. Fünf Wochen war der Brasilianer verletzt, ehe er vor gut einer Woche bei den Amateuren von Hertha in der Oberliga Spielpraxis sammeln wollte. Mit seinem Freistoßtor gelang ihm dabei noch etwas Wichtigeres. Alves holte sich das Selbstvertrauen, das er gestern kurz vor der Halbzeitpause in seinen Schuss zum 2:0 legte. Es war sein erstes Bundesligator in dieser Saison.

Beim letzten Auftritt in der Lausitz, im Februar des Jahres, verloren die Berliner nicht nur das Spiel, sondern obendrein noch ihren Trainer Jürgen Röber. Falko Götz hatte das Amt damals übergangsweise übernommen. Vor allem aber war es Götz gelungen, die Künste des Alex Alves zu erwecken. Ein zusammengeschnittenes Video mit schönen Szenen und herrlichen Toren aus seiner brasilianischen Zeit wurde dem Stürmer vorgeführt. Mit Erfolg. Alves spielte dadurch gut wie nie für Hertha. Eine ähnliche Wirkung auf Alves dürfte nun sein Tor bei den Amateuren vor einer Woche gehabt haben. Herthas Trainer Huub Stevens jedenfalls bot Alex Alves auf und eben nicht Kapitän Michael Preetz oder Luizao. Eine Personalentscheidung, die sich auszahlte. „Ich wusste schon Anfang der Woche, dass ich Alex spielen lasse“, sagte Stevens später. Auch das Mitwirken des jungen Alexander Madlung überraschte. Stevens stellte den 20-Jährigen auf die rechte Mittelfeldseite. Für Madlung war es das erste Bundesligaspiel überhaupt. Bisher hatte ein Uefa-Cup-Spiel in Aberdeen für Hertha BSC absolviert. In der Endphase hatte der 1,92 m lange Madlung per Kopf die Chance zum 3:0. Er scheiterte an Torhüter Piplica, der artistisch hielt. Ganz im Gegensatz übrigens zur 22. Minute, als er bei einem Freistoß von Marcelinho die Torwartecke verließ und so fahrlässig das 1:0 für Hertha zuließ. Für Marcelinho war es der fünfte Saisontreffer. „Das war unsere erste Antwort, nachdem Cottbus 20 Minuten dominierte“, sagte Stevens.

Die Cottbuser waren eifrig und erspielten sich viele Chancen. Entweder verfehlten die Schüsse das Tor knapp oder aber Gabor Kiraly konnte halten. In der zehnten Minute köpfte Michael Hartmann einen Schuss von Gebhardt von der Linie. Kiraly war bereits bezwungen. Bei Halbzeit las sich das Torschussverhältnis so – 11:3 für die Gastgeber.

Aber was heißt das schon, wenn zwei der drei Chancen verwandelt werden. Und sich der Gegner aufgibt. So sah es jedenfalls Andreas Neuendorf. „Cottbus ist nicht mehr das, was es einmal war. Ich hatte mir das hier schwieriger vorgestellt.“

Eine merkwürdige Atmosphäre herrschte im Stadion der Freundschaft. Weil es in den vergangenen Jahren stets zu Ausschreitungen gekommen war, waren vor dem Spiel die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Nur 900 Berliner Fans wurden in das Stadion gelassen. Hohe Fangnetze und eine Holzwand trennten die Fanblöcke der beiden Vereine. Mitten in der zweiten Halbzeit zündeten dann die Cottbuser Fans ein paar Rauchbomben. Die Berliner Anhängerschaft konterte – sie rief: „Geyer raus“.

Nach der vierten Heimniederlage in dieser Saison bleiben die Lausitzer Schlusslicht in der Tabelle. Saisonübergreifend war es das achte Heimspiel, das das Team von Eduard Geyer nicht gewinnen konnte. „Man kann jetzt wieder eine Torwart- oder Trainerdebatte beginnen, doch daran werde ich mich nicht beteiligen“, sagte Geyer später.

Hertha dagegen nahm Kontakt zu den Champions-League-Plätzen auf. Für Hoeneß fast schon ein bisschen zu früh. „Nach dem holprigen Start sollten wir nicht in Jubel ausbrechen.“

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