Sport : Zwei verlieren gemeinsam

Das 2:2 bringt weder Wolfsburg noch St. Pauli wirklich weiter – Felix Magath bleibt mit dem VfL sieglos

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Er spürte ein leichtes Ziehen an der Seite. Gerald Asamoah vom FC St. Pauli (Mitte) sucht den Weg nach vorne, der Wolfsburger Simon Kjaer hält ihn zurück. Foto: dpa
Er spürte ein leichtes Ziehen an der Seite. Gerald Asamoah vom FC St. Pauli (Mitte) sucht den Weg nach vorne, der Wolfsburger...Foto: dpa

Unglücklicher kann man als Torschütze nicht aussehen. Jan Polak war nicht wirklich zum Spaßen aufgelegt, als er erklären sollte, wie sich sein rettendes Tor kurz vor dem Abpfiff angefühlt hatte. Ein paar Minuten lang war der Tscheche für seinen rettenden Treffer, der dem VfL Wolfsburg noch ein glückliches 2:2 (1:0) gegen den FC St. Pauli beschert hatte, bejubelt worden. Aber nur ein paar Momente später war die Erleichterung im Stadion dem Frust gewichen. „Absteiger“ und „Wir sind Wolfsburger und ihr nicht“, sang der Anhang des VfL angesichts einer abermals schwachen Vorstellung der Niedersachsen. „Der Frust der Fans ist verständlich. Die wollen uns kämpfen sehen“, sagte Polak und wirkte wie fast alle seine Teamkollegen ratlos.

Wie es dazu kommen konnte, dass die Wolfsburger nach ihrem Führungstreffer durch Mario Mandzukic ihr Heimspiel noch aus der Hand gegeben haben, konnten die Profis selbst nicht erklären. Ihr Trainer schon. „Bei St. Pauli hat man gesehen, dass sie das Spiel als Mannschaft gewinnen wollten. Bei uns sieht man keine Mannschaft, viele Spieler sind nur mit sich selbst beschäftigt“, sagte Felix Magath, der auch vier Wochen nach seiner Wiedereinstellung als Chefcoach des VfL Wolfsburg auf seinen ersten Sieg wartet. Der Gast vom Millerntor hatte nach einem starken Auftritt und den beiden Toren durch den eingewechselten Deniz Naki und Matthias Lehmann schon wie der verdiente Sieger dieses Abstiegsduells ausgesehen. Aber nach einem Eckball war der kantige Polak mit seinem Kopf am richtigen Platz und wuchtete den Ball zum schmeichelhaften Ausgleich ins Tor.

Beide Mannschaften, die sich schon seit Wochen mit schwachen Leistungen für den Abstieg in die Zweite Liga empfehlen, fühlten sich nach diesem Remis wie ein Verlierer. „Das 2:2 ist eine gefühlte Niederlage. Da muss man in der Schlussphase schlauer sein“, sagte St. Paulis Torschütze Naki, dessen Team über 90 Minuten die bessere Spielanlage gezeigt hatte und die hochkarätigeren Torchancen besaß. Vor allem nach einem verunglückten Abschlag von VfL-Torhüter Diego Benaglio, dem Lehmann die 2:1-Führung für den Gast folgen ließ, hatte kaum noch jemand im mit 30 000 Zuschauern ausverkauften Stadion mit einem Aufbäumen der Wolfsburger gerechnet.

„Die waren doch schon tot“, meinte St. Paulis Routinier Fabian Boll, der angesichts der ausgelassenen Chance, sich in der Tabelle am VfL vorbeizumogeln, enttäuscht war. Sie trauerten vielen weiteren guten Torgelegenheiten nach, die vor allem Charles Takyi und der unermüdliche Gerald Asamoah vergeben hatten. „Wir werden trotzdem nicht unruhig. Wichtig ist im Abstiegskampf die Ausdauer“, meinte Holger Stanislawski, der nach seiner tränenreichen Ankündigung unter der Woche, nicht mehr Trainer des FC St. Pauli bleiben zu wollen, wieder ein wenig lachen konnte.

Während die Hamburger zumindest ihre kurzen Glücksmomente ausleben konnten, machte sich bei den Profis des VfL Wolfsburg Ratlosigkeit breit. Spielmacher Diego, der zwar einen Pfostentreffer zu verzeichnen hatte und an der Vorbereitung des ersten Tores beteiligt war, wurde von Magath in der 73. Minute zudem überraschend ausgewechselt.

Seinen eigenen Spielmacher vom Feld zu nehmen, wenn dem Team ohnehin nichts Gescheites einfällt, ist ein gewagtes Unterfangen. Diego, der Magath bei seinem Abgang zwar die Hand gab, aber keines Blickes würdigte, verfolgte die Schlussphase mit unzufriedenem Gesichtsausdruck. Magath bemängelte nach der Partie mehrfach die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit des VfL, verzichtete aber darauf, Diego direkt zu kritisieren.

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