Zweite Bundesliga : Duell im Tor von Union

Unter Spannung: Jan Glinker und Marcel Höttecke liefern sich beim 1. FC Union ein Duell um den Platz im Tor. Auf wen wird sich Trainer Uwe Neuhaus festlegen?

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Vergebliche Mühe? Marcel Höttecke (l.) könnte heute nur Ersatz sein.
Vergebliche Mühe? Marcel Höttecke (l.) könnte heute nur Ersatz sein.Foto: Matthias Koch

Berlin - In ihren Augen wird die Anspannung sichtbar. Starr blicken Marcel Höttecke und Jan Glinker nach vorn, ihre Konzentration gilt den Schüssen von Holger Bahra. Der Torwarttrainer des 1. FC Union tritt die Bälle hart aufs Tor, Glinker und Höttecke bleiben trotzdem meist Sieger. Abwechselnd parieren sie im Training auch schwierige Bälle, anschließend wird jede gelungene Aktion des anderen ohne Gesichtsregung wahrgenommen.

Vor dem heutigen Zweitligaspiel bei Greuther Fürth (13.30 Uhr, live bei Sky) wird bei Union vor allem eine Personalie diskutiert: Höttecke oder Glinker? Auf welchen Torwart wird sich Trainer Uwe Neuhaus festlegen? „Ich habe mich bereits entschieden“, sagt dieser, ohne seinen Entschluss öffentlich zu machen. Neuhaus hält sich bedeckt, sagt nur, dass er nichts sagt. Und eröffnet damit Raum für Spekulationen: Das Momentum könnte auf Glinkers Seite liegen. Union hat mit ihm im Tor aus den vergangenen drei Spielen sieben Punkte geholt. Dabei kassierte Glinker nur zwei Gegentore: einen Elfmeter und einen unhaltbaren Kopfball aus kurzer Entfernung. Es gibt also kaum einen Grund, den Torwart zu wechseln. Für Glinker spricht auch, dass Marcel Höttecke noch nicht in der Form sein dürfte, die ihm im November den Platz im Tor der Berliner einbrachte. Neuhaus sagt: „Nach einer Woche Training ist noch nicht hundert Prozent klar, wer die endgültige Nummer eins ist.“ Könnte heißen: Höttecke braucht noch Zeit und bis er so weit ist, spielt erst mal Glinker. Der will sich zu diesem Thema nicht äußern, gleiches gilt für Marcel Höttecke.

Das Verhältnis der beiden Torhüter gilt als kollegial, beide reden kaum mit- aber auch nie übereinander. Das war schon im Sommer so. Damals entschied Glinker das Duell gegen den Neuzugang von Borussia Dortmund für sich und wurde von Neuhaus zur Nummer eins bestimmt. Im Herbst leistete sich Glinker dann mehrere Fehler, die Union wichtige Punkte im Abstiegskampf kosteten. Neuhaus wechselte und legte sich fortan auf Höttecke fest. Die neue Hierarchie war allerdings nur von kurzer Dauer, bereits nach vier Spielen verletzte sich Höttecke am rechten Oberschenkel und musste zwei Monate pausieren. Glinker rückte wieder ins Tor und machte seine Sache gut. Der Umstand, dass sein Rivale verletzt war und er sich keiner Konkurrenz ausgesetzt sah, ließ Glinker wieder zu alter Stärke finden. Vor einer Woche stieg Höttecke dann wieder ins Mannschaftstraining ein, doch Glinker wirkt nun mental stabiler als noch vor Monaten.

Die Position im Tor ist nicht die einzige, um deren Besetzung sich Uwe Neuhaus vor dem Fürth-Spiel Gedanken machen muss. John Jairo Mosquera, im letzten Spiel gegen Aachen noch Torschütze, hat Angina und fällt sicher aus. Chinedu Ede klagte zuletzt über Bandscheibenprobleme, sein Einsatz in Fürth ist fraglich. Paul Thomik musste unter der Woche mit einem grippalen Infekt ebenfalls aussetzen, ob der Mittelfeldspieler heute auflaufen kann, wird sich erst kurzfristig entscheiden.

Für Thomik könnte Björn Brunnemann in die Startelf rücken. Unter der Woche hatte der 30-Jährige für Unruhe gesorgt, als bekannt wurde, dass Brunnemann im aktuellen Wettskandal eine Rolle gespielt haben könnte. Brunnemann soll seinen damaligen Mitspieler Rene Schnitzler im November 2008 bei einer Reise nach Holland begleitet haben. Dort hätten sie sich mit dem holländischen Wettpaten Paul Rooij getroffen, heißt es. Zu dieser Zeit spielte Brunnemann noch für den FC St. Pauli. Gegen Fürth soll er aber auf jeden Fall im Kader stehen. Auch Brunnemann dürfte vor diesem Spiel mehr Anspannung verspüren als sonst.

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