Sport : Zwischen Ball und Braten

Benedikt Voigt

Nur Wolf-Dieter Poschmann kennt die amerikanischen Gepflogenheiten im Sport offenbar nicht. Bei der Sportlerehrung in Baden-Baden sprach der ZDF-Moderator den deutschen Basketballstar Dirk Nowitzki auf seinen Weihnachtsurlaub an, was angesichts von 82 regulären NBA-Spielen in sechs Monaten kein abwegiger Gedanke ist. Doch die Feiertage bestehen für Nowitzki lediglich aus jenen Stunden zwischen dem Heimspiel am 23. Dezember gegen Sacramento und dem Auswärtsspiel am 26. Dezember in Indiana. Er hat sogar Glück, dass sein Team nicht für das Weihnachtsunterhaltungsprogramm am 25. Dezember gebucht ist. Wie die Los Angeles Lakers und die Miami Heat.

Der Trend zum Weihnachtssport hat längst auch in Deutschland den kommerziellen Sport erfasst. Eishockey, Handball und Basketball haben Bundesligaspiele für den zweiten Feiertag angesetzt. Alle hoffen auf mehr Zuschauer in den Hallen und vor dem Fernseher, weil die Fans in den ereignislosen und fußballlosen Tagen zwischen den Jahren Zeit und Geld aufbringen können. Aus diesem Grund drängen auch Eiskunstlauf und Biathlon in die Woche zwischen Weihnachten und Silvester. Früher hatte einzig das Skispringen diese Lücke gefüllt. Im vergangenen Jahr hat sich die Spielergewerkschaft im Basketball gegen diese Termine gewehrt, auch Profis hätten ein Recht auf Weihnachten mit der Familie, argumentierte sie. Zuletzt hörte man davon nichts mehr. Die kommerziellen Interessen scheinen zu siegen. Nur am 24. und 25. Dezember fliegen in Deutschland die Bälle nicht. Noch nicht.

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