Chinas weltpolitische Ambitionen : Auf dem Sprung zur globalen Gestaltungsmacht

China weitet seine Präsenz in der Welt konsequent aus – und inszeniert sich selbstbewusst als Alternative zu Trumps USA. Wie das Land um mehr Einfluss kämpft.

Sebastian Heilmann
Auf dem Weg zu mehr Weltgeltung: Chinas Staatspräsident Xi Jinping bei der Ankunft in Berlin Foto: dpa/Wolfgang Kumm
Auf dem Weg zu mehr Weltgeltung: Chinas Staatspräsident Xi Jinping bei der Ankunft in BerlinFoto: dpa/Wolfgang Kumm

Bei seinen öffentlichen Auftritten bemüht Chinas Präsident Xi Jinping in letzter Zeit gerne auch mildes Pathos, um den Anspruch seines Landes auf eine Hauptrolle auf der Weltbühne zu bekräftigen. Eine „Familie des harmonischen Miteinanders der Nationen“ hoffe China zu begründen, sagte er zum Beispiel Mitte Mai vor 29 in Peking zum Seidenstraßen- Forum versammelten Staats- und Regierungschefs. Auch machte er sich stark für „Austausch statt Entfremdung“. Wenn Xi Anfang Juli zuerst zum Staatsbesuch nach Berlin und dann zum G-20-Gipfel in Hamburg anreist, dürfte dieses neue chinesische Selbstbewusstsein wieder in seinen Reden mitschwingen.

Dass China für sich eine zentrale Rolle in der Welt beansprucht, wurzelt tief in der chinesischen Tradition. „Zhongguo“, das Reich der Mitte, heißt das Land auf Chinesisch. Während der chinesischen Kaiserdynastien war mit diesem Selbstverständnis die meiste Zeit keine expansive Außenpolitik verbunden. Die 1949 gegründete Volksrepublik verfolgte unter Mao eine von ideologischen Prämissen geprägte, zeitweilig sprunghafte und mehrfach revidierte Diplomatie.

Dies änderte sich 1978, als Deng Xiaoping die Politik der Reform und Öffnung einleitete. Die intensivierte Zusammenarbeit mit wirtschaftlich und technologisch führenden Ländern der Welt leitete Chinas Außenbeziehungen an. Vier Jahrzehnte später stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob China ein zentraler globaler Akteur wird, sondern nur wann. Und dieser Zeitpunkt ist durch den drastischen Richtungswechsel in der US-Außenpolitik in greifbare Nähe gerückt.

Kann China die internationale Klimapolitik retten?

China hat in den vergangenen Monaten das durch Donald Trump erzeugte Vakuum geschickt genutzt: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos inszenierte sich Xi als Verteidiger der Globalisierung und einer regelbasierten Weltordnung und als Gegenpol des auf „America First“, also auf Protektionismus und Isolation setzenden US-Präsidenten.

Als Trump jüngst das Pariser Klimaabkommen aufkündigte, sprang China prompt als Retter des Weltklimas in die Bresche. Sollte das Land, das noch 2009 maßgeblich zum Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels beitrug, ausgerechnet über das Thema Umwelt zu der zentralen Rolle in der Weltpolitik finden, die es spätestens seit Beginn dieses Jahrhunderts aktiv anstrebt? Die Chancen dafür stehen nicht schlecht – auch aus Mangel an Alternativen.

Chinas Wille, sich als starke, Gegensätze überwindende Kraft zu positionieren, wird nicht nur in der Klimapolitik deutlich. Noch stärker zeigt sich das in einer mittlerweile fast den gesamten Globus umspannenden Außenwirtschaftspolitik. Allein in den vergangenen zwölf Jahren hat sich Chinas Außenhandel mehr als verzehnfacht. 2016 exportierte das Land Waren im Wert von mehr als zwei Billionen US-Dollar, die Importe erreichen eine Höhe von fast 1,6 Billionen Dollar.

China will ein neues Handelsnetz zwischen Asien und Europa spannen

Da sich das Wirtschaftswachstum im Inland seit Jahren verlangsamt – derzeit hat es sich um 6,7 Prozent eingependelt – schaut die Regierung auf der Suche nach Märkten und Investitionen in die Nachbarschaft und auch auf andere Kontinente: Im Rahmen der riesigen Infrastruktur-Initiative „Neue Seidenstraße“ hat China Investitionen von mehr als 900 Milliarden Dollar angekündigt.

Geplant ist ein Netz von Handelskorridoren, das etwa 100 Länder über Land und Meer verbindet, von zentral- und südasiatischen Nachbarn wie der Mongolei, Pakistan und Sri Lanka bis zu Griechenland, Ungarn und Dschibuti. Chinesische Firmen bauen dort Straßen, Schienenwege, Stromleitungen, aber auch Häfen und Industrieanlagen. Güterzüge sollen über tausende Kilometer China mit Europa verbinden, über die Maritime Seidenstraße sollen Containerschiffe bis in den Hafen von Piräus fahren, der seit April mehrheitlich der chinesischen Reederei Cosco gehört.

Auch in Afrika und Südamerika investiert China Milliardenbeträge. Anfang Juni wurde in Kenia feierlich eine von China finanzierte, fast etwa 470 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Mombasa an der Küste nach Nairobi im Landesinneren eingeweiht. Weitere sind in Bau. Chinesische Firmen sind schon lange auf dem Kontinent präsent, seit 2009 ist China größter Handelspartner Afrikas. Grund für das Engagement ist auch der hohe Rohstoffbedarf: Südamerika zum Beispiel ist für China der wichtigste Lieferant von Soja und Kupfer.

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