Prof. Dr. Alexander Tsipoulanidis : Von Lean Thinking zu Supply Chain & Operational Excellence durch die digitale Transformation

Mit "Lean Thinking" wird schon länger Verschwendung in der Produktion vermieden. Die Digitalisierung in der Produktion birgt jedoch noch große Potenziale - hin zu einer "Leandustry 4.0".

Prof. Dr. Alexander Tsipoulanidis
Prof. Dr. Alexander TsipoulanidisFoto: Oliver Elsner

Die Kerngedanken der Lean-Kultur sind u. a. Kundenorientierung, Kooperation, Respekt oder auch lebenslanges Lernen und kontinuierliche Verbesserung. Stark vereinfacht, geht es um die Mehrwertgenerierung für den Kunden bei gleichzeitiger Vermeidung von Verschwendung. Traditionelle Beispiele für Verschwendungen sind z. B. unnötige Bewegungen, Bestände, Transporte, Wartezeiten, Prozesse, Überproduktion, oder nicht erfüllte Kundenanforderungen…

Das Bestreben ist es daher, diese nicht wertschöpfenden Aktivitäten zu vermeiden. Dabei hilft Lean Thinking. Das klassische „Lean Thinking“ weit verbreitet, und zwar nicht nur in der Produktion, auch außerhalb z. B. in der Produktentwicklung und in der Dienstleistung, jedoch ist mit den herkömmlichen Lean Ansätzen ein Plateau erreicht worden.

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Prof. Alexander Tsipoulanidis
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Einen neuen Impuls wird allerdings die Anwendung von Industrie 4.0 liefern. Die digitale Technologie bzw. die digitale Transformation ermöglicht es, intelligente Fabriken, sogenannte  „Smart Factories“, oder auch anpassungsfähige Produktions- und Logistiknetzwerke zu etablieren.

Das bedeutet, Industrie 4.0 ermöglicht das Erreichen eines völlig neuen Niveaus von „Lean“, weil nunmehr die Informationen und Daten dafür zur Verfügung stehen, um Verschwendungen zu vermeiden, die bislang nicht vermieden werden konnten. 

Durch Industrie 4.0 lassen sich

- kundenspezifischer Erzeugnisse in kleinen Stückzahlen produzieren,
- gleichzeitig können Variantenvielfalt und der Durchsatz erhöht werden,
- die Kapazitäten lassen sich besser nutzen und parallel dazu
- können Bestände, Transporte und Emissionen reduziert werden.

Wie man erkennt, ist dies das Ergebnis von Industrie 4.0. Das bedeutet aber auch die Vermeidung von Verschwendung auf einem bisher nicht erreichbaren Niveau. Das ist vollends im Einklang mit dem klassischen Lean Thinking, also „Leandustry 4.0“
Die Erkenntnis über das komplementäre Zusammenspiel der klassischen Lean Prinzipien mit der digitalen Technologie  zu „Leandustry 4.0“ ist noch nicht weit verbreitet, jedoch bietet es ein großes Potenzial, wie oben ausgeführt wurde.

Die Forschungsschwerpunkte, die damit zusammenhängen, sind daher u. a. die Untersuchung der digitalen Transformation hinsichtlich der …

- Erfassung der Lean Potenziale (z. B. Bewertung der Erfolgsfaktoren / Evaluation der Misserfolgsfaktoren / Lehren aus den anfänglichen Fehlern von Lean Implementierungen heranziehen)
- Betrachtung der Wettbewerbsvorteile (z. B. Senkung des Supply Chain Risikos durch die Daten- und Informationsverfügbarkeit)
- Der Kriterien zur Bewertung von verschiedenen Implementierungsniveaus (z. B. Nutzung und Potenziale in Abhängigkeit von Branche / Größe)
- Erarbeitung zukünftiger Wertschöpfungsszenarien (z. B. Anwendung von Robotics / additive manufacturing bzw. 3D Druck, augmented reality…) für smarte und exzellente Prozessse.
- Dies führt abschließend zu abgeleiteten Strategien und Handlungsempfehlungen zur…
- Erfolgreichen Umsetzung  von „Leandustry 4.0“, dem
- Change Management zu  „Process Excellence“, denn nicht nur die digitale Transformation, sondern auch die kultur- und kompetenzseitige Transformation muss beherrscht werden, um in Zukunft
- erfolgreich „Smart Supply Chains & Operations“ gestalten zu können.

Zusammengefasst: Der Forschungsschwerpunkt ist die Erweiterung der Lean-Philosophie um digitale Technologien zum Erreichen von Supply Chain & Operational Excellence

Zur Person

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), Professur für Operations Management

„Prof. Dr. Alexander Tsipoulanidis, MBA ist Professor für Operations Management an der HWR Berlin. Er hat mehr als 15 Jahre Praxiserfahrung auf dem Gebiet der Fabrikplanung und Fabrikbetrieb. Seine Lehr- und Forschungstätigkeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Lean Production und Supply Chain & Operational Excellence zu Zeiten der digitalen Transformation.“

Links

www.hwr-berlin.de/service/kontakt/personen/kontakt/alexander-tsipoulanidis/

Schlagworte

Lean Thinking
Lean Potenziale durch Industrie 4.0
Digitale Transformation
Kulturelle und kompetenzseitige Transformation
Smart Supply Chain und Operational Excellence