Ausbildung zumTierarzt : Tierische Kriminalfälle und niesende Katzen

Veterinärmediziner zeigen bei der Langen Nacht der Wissenschaften die vielen Facetten ihrer Arbeit und Forschung – von der Zeckenfütterung über Schutzimpfungen für den besten Freund des Menschen bis hin zur Analyse tierischer Gewebeproben unter dem Mikroskop.

Annika Middeldorf
Voller Durchblick: Anhand von Tierplastinaten lernen angehende Veterinärmediziner und Besucher der Langen Nacht den Aufbau von Organen und Körperteilen.
Voller Durchblick: Anhand von Tierplastinaten lernen angehende Veterinärmediziner und Besucher der Langen Nacht den Aufbau von...Foto: H. Wendel, Institut für Veterinär-Anatomie

Woran starb der Pandabär Bao Bao? Wie heilt man Katzenschnupfen? Welches Futter ist gut für Haustiere und wie lernen angehende Tierärzte, ein erkranktes Organ zu erkennen? Fragen wie diese beantworten Veterinärmediziner der Freien Universität Besucherinnen und Besuchern der Langen Nacht der Wissenschaften. Bei Mitmach-Experimenten können diese selbst einen Blick durchs Mikroskop werfen und dabei so manch ungewöhnlichen Einblick in die Geheimnisse des Tierreichs gewinnen.

Ganz Ohr ist man beispielsweise bei der Klinik für Klauentiere: Hier lernen Besucher, was eine Kuh außer Muh noch für Geräusche macht und wie sich damit feststellen lässt, ob ein Tier gesund oder krank ist. Junge Besucher können an der Kuh-Attrappe „Berta“ außerdem üben, wie man Endoskop und Fasszange bedient. Wem die Arbeit mit echten Tieren liegt, der kann sich in der Langen Nacht auch über die Ausbildung zum Tierpfleger an der Freien Universität informieren.

Weite Wege muss man dafür in diesem Jahr nicht auf sich nehmen: Alle Einrichtungen der Tiermedizin sind auf dem Campus in Dahlem in der Koserstraße 20 vertreten, auch die Klinik für Kleine Haustiere.

TIERPATHOLOGIE:

WIE BEIM SONNTAGSKRIMI

Hat der Nachbar den Hund heimtückisch vergiftet? Ist das in Millionenhöhe versicherte Rennpferd eines natürlichen Todes gestorben? Bei Professor Achim Gruber vom Institut für Tierpathologie und seinem Team geht es an manchen Tagen zu wie beim Sonntagskrimi: Aufgabe der Tierpathologen ist es, herauszufinden, woran ein Tier gestorben ist. Bei der Langen Nacht der Wissenschaften können Besucher selbst tierische Kriminalfälle lösen, Gewebeproben untersuchen und Fallberichte von berühmten Patienten wie dem Pandabären Bao Bao oder Madame Nou, mit 50 Jahren Deutschlands ältestes Pony, studieren.

Der Alltag der Tierpathologen ist vielfältig und die Obduktion zur Klärung von Todesumständen nur eine Facette des Berufs. „Viel häufiger und auch deutlich lieber arbeiten wir für und mit lebenden Tieren“, sagt Gruber. Tierärzte suchen bei ihm zum Beispiel immer dann Rat, wenn sie sich die Krankheitsbilder ihrer Patienten nicht erklären können. „In diesen Fällen bekommen wir kleine Gewebeproben der Tiere zugeschickt, die wir dann unter dem Mikroskop untersuchen“, erklärt der Veterinärmediziner, „das funktioniert beim Goldhamster genauso wie beim Elefanten.“

Als Anschauungsmaterial dienen den Besuchern der Langen Nacht neben vielen Bildern auch plastinierte Organe und konservierte Gewebeproben.

TIPPS FÜR DAS WOHL

DES VIERBEINIGEN LIEBLINGS

Was tun, wenn die Katze Schnupfen hat? Muss der Hund für einen Urlaub am Mittelmeer geimpft werden? Welche Krankheiten können von Tieren auf Menschen übertragen werden oder umgekehrt? Über Tierkrankheiten informieren Professorin Barbara Kohn und die Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Kleine Haustiere bei der Langen Nacht. Die Experten für Klein- und Heimtiere beraten gerne, bitten aber dringlich darum, die Tiere nicht zur Langen Nacht mitzubringen!

Ein Schwerpunkt der Tiermediziner liegt auf der Infektionskrankheit Leptospirose, die sich vom Menschen aufs Tier und umgekehrt übertragen kann – und auch in Berlin häufig auftritt. Besucher können erfahren, welche Hunderassen besonders gefährdet sind und woran man eine Infektion erkennt. Ein Team vom Institut für Tierernährung erklärt außerdem, welches Futter sich für welches Tier besonders eignet, warum Hygiene bei der Fütterung besonders wichtig ist, und warum Igel keine Kuhmilch vertragen.

RAUBTIERFÜTTERUNG

MIT DER PINZETTE

Sie sind kaum mit dem bloßem Auge zu erkennen und können doch enorme gesundheitliche Schäden anrichten: Zecken lauern besonders bei milden Temperaturen im hohen Gras oder krautigen Dickicht auf ihre Opfer. Das Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin erforscht, wie Zecken Krankheiten übertragen und welche Medikamente vor Zeckenbefall schützen.

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften können Besucher live erleben, wie eine Zecke ihren Blutdurst stillt – selbstverständlich aus sicherer Entfernung und ohne Aderlass: Bei der künstlichen Zeckenfütterung simulieren die Forscher mit einer dünnen Schicht aus Silikon ein Stück Haut. Damit die kleinen Blutsauger überhaupt mit bloßem Auge zu erkennen sind, werden die Tiere vorher bereits über mehrere Tage angefüttert – mit Blut vom Schlachthof.

So einen Festschmaus gibt es für die Parasiten sonst eher selten, wie Ard Nijhof vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin erklärt: „Aus Erhebungen wissen wir, dass Zecken an Hunden in Deutschland meist nach 48 Stunden gefunden und entfernt werden.“ In Alkoholröhrchen zeigen die Forscher in der Langen Nacht aber auch eine afrikanische Zeckenart, die bis zu drei Zentimeter groß wird. Ein so großes Exemplar möchte wohl niemand am eigenen Körper tragen.

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