Editorial : Die Rolle der Kanzler

Ohne Kanzler geht in Deutschland nichts – das ist auch außerhalb der Politik so. Im Bereich von Hochschulen und Universitäten sind Kanzlerinnen und Kanzler als Mitglieder des Präsidiums an richtungsweisenden Entscheidungen maßgeblich beteiligt. Sie tragen eine große Verantwortung für die Leitung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Einrichtung. Ihre Rolle hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.

Peter-André Alt
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.Foto: Bernd Wannenmacher

Die Freie Universität war, wie in vielen Punkten, auch hier eine Vorreiterin. Sie schuf ein neues System der leistungsorientierten Mittelvergabe, das den Fachbereichen ein hohes Maß an Autonomie, aber zugleich eine gestaltende Mitverantwortung bei der Steuerung der Universität zuweist. Erfolge in Forschung und Lehre, bei der Internationalisierung und im Bereich der Gleichstellung schlagen sich in größeren Budgets nieder. Für die Fachbereiche lohnt sich die Anstrengung, weil sie über ihren Basis-Etat hinaus zusätzliche Handlungsspielräume gewinnen. Zu diesem System gehört eine Kanzlerposition, die nicht nur, wie an traditionell geführten Hochschulen, für den Haushalt, den technischen Sektor und das Personalwesen zuständig ist. An der Freien Universität zählt zu ihren Verantwortlichkeiten die Leitung der gesamten Verwaltung, also auch der Abteilungen für Forschung und Internationales, für Studium und Lehre, IT und Digitalisierung.

Das Modell hat sich vorzüglich bewährt und bildet eine wesentliche Grundlage dafür, dass unsere Universität nicht nur im Hinblick auf ihre Forschungsreputation und ihre Lehrleistungen für herausragend gehalten wird. Auch ihre Steuerung, die Governance, gilt allgemein als vorbildlich, hochgradig effizient und professionell. Das ist ein Verdienst unseres langjährigen Kanzlers Peter Lange, der zum Dezember 2015 in den Ruhestand trat. Nicht zuletzt spiegelt sich darin die Kompetenz unseres Verwaltungspersonals, das die Universität mit Engagement und Sachkunde unterstützt.

Gute Kanzler zu gewinnen ist nicht einfach, wie man vielerorts sehen kann. Der Freien Universität gelang es, in einem reibungslos organisierten Auswahlprozess eine vorzügliche Lösung zu finden. Die promovierte Ingenieurin Andrea Bör, seit einigen Jahren Kanzlerin der Universität Passau und in vielen Verwaltungsbereichen erfahren, wird zum Juli bei uns beginnen. Sie tritt ein großes Erbe an, aber sie ist bestens auf ihre Aufgabe vorbereitet. Die Freie Universität freut sich auf die erste Kanzlerin ihrer Geschichte.

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