Saatgutbank im Botanischen Garten : „Eine Rückversicherung für das Leben“

Neubau der Wildpflanzen-Saatgutbank im Botanischen Garten der Freien Universität eröffnet.

Nora Lessing
Eröffnung der Saatgutbank durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (re.), den Direktor des Botanischen Gartens Professor Thomas Borsch (li.) und den Präsidenten der Freien Universität Professor Peter-Andre Alt.
Eröffnung der Saatgutbank durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (re.), den Direktor des Botanischen Gartens Professor...Foto: David Ausserhofer

Rund 7000 verschiedene Aufsammlungen von Saatgut, darunter viele von seltenen oder gefährdeten Pflanzenarten, lagern in der Dahlemer Saatgutbank. Die Sammlung fungiert als eine Art Archiv für Pflanzen und ist ein wichtiger Tauschpartner für Botanische Gärten weltweit. Vor wenigen Wochen wurde der Neubau der prestigeträchtigen Einrichtung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Schirmherrin der Saatgutbank, eröffnet.

Nicht nur der Klimawandel, auch das Bevölkerungswachstum und der Rückgang naturbelassener Flächen bedrohen das Überleben vieler Pflanzenarten. „Damit steht der lebende Reichtum dieser Erde auf dem Spiel“, mahnte die Ministerin in ihrer Rede. Ein Reichtum, der auch mit allem Geld dieser Welt nicht wieder erkauft werden könne, wenn er einmal verloren sei. „Wir brauchen eine Art Rückversicherung für das Leben. Und die Dahlemer Saatgutbank ist eine solche Versicherung.“

Ein Schwerpunkt der Sammlung liege „auf den heimischen Wildpflanzenarten sowie dem Mittelmeergebiet und dem Kaukasus“, sagt Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens und Botanischen Museums der Freien Universität Berlin, zu dem die Saatgutbank gehört. Zwar schenke man Wildpflanzen häufig weniger Aufmerksamkeit als Nutzpflanzen; aber auch die Bewahrung von Wildpflanzen in einer Genbank sei in vielerlei Hinsicht von elementarer Bedeutung. „Bei Bedarf können wir auf diese Weise Pflanzen heranziehen und Populationen in der Natur stützen“, sagt der auf Biodiversität und Evolution der Pflanzen spezialisierte Biologe.

Weil die eingelagerten Samen zum Teil über Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte, keimfähig blieben, sei die Saatgutbank eine wichtige Einrichtung, sagt der Biologe: „Naturschutzmaßnahmen vor Ort greifen häufig nicht schnell genug, um vor dem Verlust der Populationen gefährdeter Arten zu schützen.“

Mit der Saatgutbank trägt man effektiv zum Naturschutz bei

Unter anderem durch einen privaten Nachlass sei es möglich gewesen, den Neubau der Saatgutbank zu finanzieren, sagt Thomas Borsch. „Im Neubau verfügen wir nun über hochmoderne Labore und Keimungsschränke.“ Somit seien in der neuen Saatgutbank optimale Bedingungen für eine professionelle Reinigung, Trocknung und Lagerung der Samen geschaffen.

„Mit der Saatgutbank leisten wir einen proaktiven Beitrag zum Naturschutz und der Erhaltung von pflanzlichen Ressourcen weltweit“, sagt Borsch. Es könne gezielt erforscht werden, unter welchen Bedingungen Wildpflanzensamen keimten und keimfähig blieben.

Der Botanische Garten Berlin arbeitet eng mit Naturschutzbehörden zusammen und führt in ersten Projekten bereits Nachzuchten gefährdeter Pflanzenarten aus Samen der Saatgutbank durch, um sie am ursprünglichen Naturstandort wieder anzusiedeln oder um stark geschrumpfte Populationen zu stützen. Die Kenntnis der genetischen Variabilität der Arten sei dabei entscheidend, so Borsch. Durch die Integration der Arbeiten der Saatgutbank und seiner Forschungsprogramme zur Biodiversität der Pflanzen könne der Botanische Garten Berlin gerade als wissenschaftliche Einrichtung sehr gezielt und effektiv zum Naturschutz beitragen.

Der Schutz des Lebensraumes sei jedoch das Wichtigste, um einer Wildpflanzenart in der Natur eine Überlebenschance zu geben, sagt Thomas Borsch. „Durch Änderungen der Landnutzung, Intensivierung der Landwirtschaft und Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau von Straßen erleben wir weltweit einen erheblichen Rückgang vieler Pflanzenpopulationen.“ So seien in Deutschland etwa dreiviertel der Lebensräume in Gefahr.

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