Wegweiser im Studium : Gemeinsam ist aller Anfang leicht

Im Mentoringprogramm der Freien Universität werden Erstsemester von Kommilitonen erfolgreich durch die Einstiegsphase des Studiums begleitet.

Carsten Wette
Als Erstsemester haben Franziska Hermes und Jean Coert vom Mentoringprogramm profitiert. Nun geben sie ihre Erfahrungen als Mentoren weiter.
Als Erstsemester haben Franziska Hermes und Jean Coert vom Mentoringprogramm profitiert. Nun geben sie ihre Erfahrungen als...Foto: Bernd Wannenmacher

„Man muss den Fahrstuhl wieder runterschicken.“ Mit diesen Worten begründete Edith Piaf nach ihrem Durchbruch das Engagement zugunsten des musikalischen Nachwuchses in Frankreich. Knapp 300 Studierende, die sich seit 2012 jährlich im Mentoringprogramm der Freien Universität Berlin engagieren, helfen zwar niemandem auf die Bühne wie die berühmte Sängerin.

Doch auch sie geben Studienanfängern – den Mentees – wertvolle Erfahrungen weiter, und dank ihrer Hilfe finden sich die Neuen schnell an der Freien Universität zurecht. In wenigen Tagen startet mit der Orientierungsphase zu Beginn des Wintersemesters auch ein neuer Durchgang des Mentoringprogramms: Je ein Mentor oder eine Mentorin berät dabei etwa zehn Studierende ein Jahr lang.

„Mentoren sind Wegweiser im Studium“, sagt Mirjam Bartscherer. Die Projektleiterin des Mentoringprogramms im Projekt SUPPORT der Freien Universität ist seit Beginn im Sommer 2012 an der Entwicklung des breit gefächerten Programms beteiligt: Die neuen Studierenden erhalten von ihren Mentorinnen und Mentoren wichtige Hinweise und Orientierungshilfen für den Studienstart und können sich an mindestens fünf Treffen zu Themen rund um den Studieneinstieg austauschen.

Die Mentoren unterstützen ihre Mentees unter anderem bei Studienplanung, Zeitmanagement und Prüfungsvorbereitung, sie entwickeln mit ihnen individuelle Lern- und Arbeitsstrategien und geben wertvolle Informationen zu Studienfinanzierung, zu Praktika, zu Auslandsaufenthalten und zu Berufsperspektiven. Dabei gehen Mentoren in den Fächern der Geisteswissenschaften beispielsweise auf Arbeitsweisen beim Verfassen der hier üblichen Hausarbeiten ein, ihre Kollegen in den Naturwissenschaften nehmen dagegen die dort typischen Übungszettel in den Blick.

Hilfe auf Augenhöhe

„Die Akzeptanz ist groß“, sagt Mirjam Bartscherer. Statt der erwarteten Hälfte aller Erstsemester entschieden sich universitätsweit 70 Prozent dafür, mitzumachen. In einigen Fächern, etwa Rechts- und Wirtschaftswissenschaft, seien es nahezu 100 Prozent – eine hohe Quote für ein Programm, an dem die Teilnahme freiwillig ist, und angesichts des engen Stundenplans.

Einen der Hauptgründe für diesen Erfolg sieht Mirjam Bartscherer darin, dass die Mentoren selbst Studierende sind und ihren Mentees auf Augenhöhe begegnen. „Sie haben die Eingangsphase gemeistert und sind nah dran an den Bedürfnissen, Problemen und Unsicherheiten von Erstsemestern“, sagt sie.

Dass die anderen Neulinge auch nur mit Wasser kochen und bei den Treffen einer Mentoringgruppe „jede noch so blöde Frage“ gestellt werden kann, erleichterte Franziska Hermes vor zwei Jahren den Start in ihr Studium. Mehr noch: „Auf mich wartete nicht nur eine fremde Universität, sondern auch eine fremde Stadt, unfassbar viele Informationen und das Gefühl, in all dem furchtbar verloren zu sein“, sagt die inzwischen 21-jährige Studentin der Geschichts- und Politikwissenschaft.

In dieser Situation sei sie durch das Mentoringprogramm aufgefangen worden. „Die Treffen haben es mir erleichtert, im Studentenleben anzukommen“, resümiert sie. Eine der Kommilitoninnen aus ihrer Gruppe zählt inzwischen zu ihren engsten Freundinnen.

Offenheit und Dankbarkeit der Mentees motivieren

Die Mentoren werden jeweils im Sommer beim Career Service der Freien Universität Berlin in sechs Modulen auf ihre Aufgabe vorbereitet: In einem Zertifikatsprogramm erlernen sie hochschuldidaktische und methodische Kompetenzen. Nach der Qualifizierung bekommen Mentorinnen und Mentoren zudem Punkte für die Allgemeine Berufsvorbereitung (ABV) angerechnet. Eine Tätigkeit als Mentor oder Mentorin lohnt sich auch finanziell: 750 Euro werden für 60 Stunden gezahlt.

Etwa jeder zweite Mentor engagiert sich auch in einem zweiten Jahr. Die Psychologie-Studentin Anna-Marie Raith gehört dazu. Als Mentorin habe sie sich erstmals in der Rolle einer Gruppenleiterin wiedergefunden und von dieser Erfahrung erheblich profitiert, sagt die 22-Jährige: „Die Vor- und Nachbereitungen der Treffen, der Austausch mit den Mentees und deren Feedback haben meine organisatorischen, leitenden und kreativen Kenntnisse und Fähigkeiten gefördert.“

Es seien vor allem „die Offenheit und Dankbarkeit der Mentees“ gewesen, die sie motiviert hätten. Ein positives Feedback hat auch Jean Coert als Mentor erlebt: „Zu meinen Lieblingserinnerungen zählt, dass ich von meinen Mentees erfahren habe, sie hätten unter anderem wegen meiner Hilfe in ihren Klausuren und Hausarbeiten Einser-Noten erreicht.“ In solchen Momenten habe er gemerkt, dass den Mentees seine Unterstützung handfest genutzt hat, sagt der 21-jährige Student der Geschichtswissenschaft.

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