• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Eintracht Braunschweig : Gebrüllte Moderne

27.10.2012 00:00 Uhrvon
Hand in Hand. Braunschweigs Mannschaft hat immer öfter Grund, nach Spielschluss mit den Eintracht-Fans zu feiern.Bild vergrößern
Hand in Hand. Braunschweigs Mannschaft hat immer öfter Grund, nach Spielschluss mit den Eintracht-Fans zu feiern. - Foto: dapd

Eintracht Braunschweig hat die Mythen vertrieben und den Ruin verhindert – und bastelt nun an seiner Zukunft.

Wenn die Stadionuhr die 67 zeigt, werden sie wieder singen. Wie bei jedem Heimspiel stimmen die Fans von Eintracht Braunschweig in der 68. Minute ihren Gedenkgesang an, „Deutscher Meister, in den Farben Gelb und Blau, 1967, das war unser BTSV“. Die Gegenwart, das Zweitligaspitzenspiel gegen Hertha BSC, ist dann einen Moment egal. Über 20.000 Fans in der ausverkauften Arena besingen die glorreiche Vergangenheit, davon kann sich keiner lösen, und die Tradition brüllt in der Löwenstadt.

Von der Hamburger Straße aus kommend ist von Stadion und Tradition nichts zu erkennen. Zu sehen sind nur Baugerippe; Bagger schaufeln, Sägen kreischen, Presslufthämmer dröhnen.

Doch hinter den Kränen verraten schräge Flutlichtmasten, dass hier ein Fußballverein an seiner Zukunft baut. Eine neue Geschäftsstelle, Tribünen und VIP-Logen entstehen, mit öffentlichen Mitteln. Eine Bürgerbefragung gewährte sie 2011 dem damaligen Drittligisten, der fast schon ruiniert war und der nun am Tor der Bundesliga rüttelt. Die Fans im Südosten Niedersachsens empfinden den Klub immer noch als Bundesligisten, aber da spielt die Eintracht seit 1985 nicht mehr. 15 Jahre war der Klub gar nur drittklassig.

Im Moment ist alles ein Provisorium, die Pressekonferenz findet in einem Baucontainer statt, der Boden vibriert. Nach Jahrzehnten Tristesse ist es wieder die Gegenwart, die ruft. Die Eintracht ist ungeschlagener Tabellenführer, Samstag ist der Zweite zu Gast, Bundesliga-Absteiger Hertha aus Berlin. Trainer Torsten Lieberknecht bemüht trotzdem die Phrase von „David gegen Goliath“ und sieht die Eintracht dabei an der Steinschleuder. Lieberknecht kennt den Klub, hat hier gespielt, war Präsidiumsmitglied und Jugendtrainer. Er weiß, wie nüchtern man hier bei aller Euphorie bleiben muss. Und dennoch bricht bei dem 39-Jährigen neben dem Pfälzer Dialekt auch immer wieder der Schalk durch. Er erwarte schon „eine prickelnde Atmosphäre, es wird ja auch Herbst, vielleicht machen wir das Flutlicht an“. Nach dem Gelächter kommt der Einwand, das Spiel finde um 13 Uhr statt. Lieberknecht beugt sich über das Mikrofon und raunt hinein: „Wir machen es trotzdem düster.“

Düster ist es nur noch in den Gängen, durch die der Trainer führt. Wegen der Bauarbeiten bis Mai ist die Geschäftsstelle unter die Gegengerade gezogen. In die niedrigen Gänge fällt kaum Tageslicht, dafür zieht an Spieltagen der Geruch der Würstchenbuden hinein. Draußen wartet eine Schulklasse auf Autogramme vom Maskottchenlöwen Leo. Kinder schwärmen wieder von der Eintracht, nicht von den Bundesliga-Nachbarn Hannover und Wolfsburg.

Hertha

Umfrage

Am Wochenende kassierte die Hertha beim FC Augsburg eine 0:1-Niederlage. Luhukay kritisierte: „Wir haben das Spiel verloren, weil der Schiedsrichter einen Elfmeter gibt, der nie und nimmer einer war“. Wie sehen Sie das?

Spielplan, Teams, Ticker

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Weitere Themen