Berliner Zoo : Verwirrter springt zu Knut ins Gehege

Ein offenbar geistig Verwirrter hat am Morgen ein Bad im Wassergraben des Berliner Eisbären Knut genommen - und wollte nicht mehr herauskommen. Der Zoo bestätigte inzwischen einen entsprechenden Bericht von Tagesspiegel.de.

Annette Kögel
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Im Wassergraben mit dem Raubtier? Ein offenbar geistig Verwirrter hatte Glück, dass Knut regelmäßig gefüttert wird. -Foto: dpa

Am Montagmorgen wurden die Besucher am Gehege von Eisbär Knut Zeuge eines besonderen Schauspiels. Normalerweise stehen dort Tierfreunde, die um die Wette filmen, Knut beim Namen rufen und jauchzen, wenn der Bär reagiert. Gestern aber stahl ein 37-jähriger Mann aus Cottbus dem Eisbären die Show. Lorenz H. kletterte über den hüfthohen Gehegezaun – und sprang wie einst Thomas Dörflein in den Wassergraben. Dann kletterte er heraus aus dem Wasser und setzte sich zu Knut auf den Bärenfelsen.

Der Bär verhielt sich nach Angaben des Zoos „völlig ruhig und friedlich“. Der Eindringling aber nicht – er weigerte sich trotz mehrmaliger Aufforderung, das Gelände zu verlassen. Schließlich mussten Polizisten den Mann abführen – gegen ihn läuft jetzt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruches.

Da hat der Mann Glück gehabt, dass Knut sich nicht bedrängt gefühlt und ihn angegriffen hat, sagte Polizeisprecherin Miriam Tauchmann. Und der Eisbär habe Glück gehabt, dass ihm der offensichtlich geistig verwirrte Besucher nichts antat, sagt Zoosprecherin Claudia Bienek.

Jedenfalls hat das handaufgezogene und an Menschen gewöhnte Tier Augenzeugen zufolge eher erstaunt auf den Fremden in seinem Domizil reagiert – sich aber dann schnell von seinen Pflegern Ronny Henkel und Markus Röbke ablenken lassen. Diese riefen Knut und hielten ihm eine Rinderkeule hin. Während der gut 200 Kilo schwere Eisbär folgsam in seinen Innenkäfig trottete, blieb der Eindringling patschnass auf dem Felsen sitzen. Schließlich mussten Beamte den unerwünschten Besucher abführen.„Knut ist so alleine auf seiner Anlage, ich wollte dem Bären Gesellschaft leisten“, sagte der 37-Jährige der Polizei später.

Die Knut-Dauerbesucher hatten nach dem Vorfall einiges zu diskutieren. Sie unterhielten sich mit Polizei und Zoosprecherin beispielsweise darüber, „wie gut erzogen“ Knut sei – oder auch „was für ein Softie“. Zoosprecherin Claudia Bienek sagte, man werde wegen „eines speziellen Falles“ die Gehege jetzt nicht etwa mit Stacheldraht in Hochsicherheitstrakte verwandeln.

In den Berliner Zoos gab es immer mal wieder solche Fälle. So retteten Tierpfleger im Jahr 2000 einen lebensmüden Köpenicker, der ins Eisbärengehege zu Knuts Vatertier Lars gesprungen war – das Raubtier packte den Kopf des Mannes, schlug ihn blutig. Ein Jahr später sprang ein 43-jähriger in Selbsttötungsabsicht zu den Bären im Tierpark – die Tiere waren aber bereits in ihren Käfigen.

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