Knut in Kürze : Abschied vom Knuddeltier

Knut wird seinen Pflegern schon in sechs bis acht Wochen gefährlich, sagt Zoo-Chef Blaszkiewitz.

Annette Kögel

Die unbeschwerten Tage des Knuddel-Knut sind gezählt. Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz rechnet damit, dass Pfleger Thomas Dörflein seinem Schützling „in sechs bis acht Wochen“ nicht mehr auf den Pelz rücken darf. Zoo-Kuratoren hatten zuletzt immer von einem weiteren halben Jahr gesprochen, bis der mit der Hand aufgezogene Eisbär Raubtierqualitäten besitzt, mit denen er seinem menschlichen Ersatzvater auch unabsichtlich gefährlich werden kann. So bleiben Berlinern und Berlin-Besuchern nur noch wenige Wochen, um die täglichen Knut-Vorstellungen von 11 bis 12 und 14 bis 15 Uhr auf der Braunbärenanlage mitzuerleben.

Die tierisch traumhafte Zeit geht also langsam, aber sicher zu Ende. Jene Monate seit dem 5. Dezember 2006, in denen Menschen aus aller Welt am Fernsehbildschirm, im Internet und natürlich live miterlebten, wie ein männlicher Pfleger ganz Mama war und alles gab für den kleinen Ziehsohn. Es war ein halbes Jahr, in dem ein Baby-Raubtier dank Kindchenschema zum beliebtesten Vertreter Deutschlands mutierte. Angela Merkel, Georg W. Bush, Leonardo DiCaprio – alle schwärmen vom Berliner Wappentier in Weiß. Die Familie von Schauspieler Tom Cruise hatte jetzt bei ihrem Berlin-Besuch zwei Highlights auf der Agenda: Erstens den Besuch der Zentrale der Scientology-Kirche. Zweitens, völlig unumstritten: „Cute Knut“.

Doch der Kleine bleibt eben nicht ewig süß und kuschelig. Wann genau er zu mächtig für den Menschen sein wird, dazu gibt es im Zoo unterschiedliche Meinungen. „Knut ist weit davon entfernt, gefährlich zu sein. Ich würde jederzeit mit meinen Kindern zu ihm gehen, jeder ausgewachsene Hund macht mir mehr Angst“, sagt Bärenexperte und Zoo-Kurator Ragnar Kühne. Was das Pflegerteam sehr freue, sei die Tatsache, dass Knut beim Spiel genau unterscheiden könne, dass er sich beim Knabbern am nackten Arm zurückhalten müsse, während er an einem Jackenärmel kräftig herumzotteln darf. Tierarzt André Schüle zufolge besitzt Knut schon die ersten bleibenden Zähne, doch auch er ist der Überzeugung, dass so schnell keine Gefahr vom Eisbären ausgehe. „Meiner Ansicht nach kann Thomas Dörflein noch ein halbes oder gar dreiviertel Jahr zu Knut, bis der Bär so 60, 80 Kilo hat“, sagt Kollege Kühne. Damit gibt er die Einschätzung Thomas Dörfleins wieder. Doch natürlich, so Kühne, trage der Zoo-Direktor die Verantwortung für seine Mitarbeiter und habe als Chef das letzte Wort.

Derweil brummt der kleine Knut wohlig, wenn sein „Papa“ bei ihm ist, schläft aber auch allein auf der kleinen Eisbärenanlage, wenn niemand ihm die Zeit vertreibt. Er sucht und ruft nach Dörflein, wenn dieser länger nicht kommt.

Draußen in der Natur verstoßen Eisbärenmütter ihren Nachwuchs nach zweieinhalb Jahren. Im Zoo soll die schnellere Entwöhnung so verträglich wie möglich laufen. Knut hat es also bald nicht mehr ganz so gut. Annette Kögel

Am 5. Dezember 2006 bringt Eisbärin Tosca Junge zur Welt – Vater ist Bär Lars. Ein Tier stirbt, Pfleger Thomas Dörflein rettet das zweite – und gibt ihm den Namen Knut. 810 Gramm wiegt das Bärenbaby bei der Geburt, droht anfangs an Fieber zu sterben. Doch zum ersten Mal seit 33 Jahren überlebt Eisbärnachwuchs im Zoo. Hier spielt Knut nur, doch bald ist es damit vorbei.

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