EUREF-Campus : Eine Basis für die Besten

Kaum vorstellbar, dass das Projekt nicht "mit Hosianna" begann, so emsig wird rund um das Gasometer in Schöneberg getüftelt und geforscht. Viel hat sich seit der Gründung im Jahr 2007 getan - und die Macher haben noch große Pläne.

Sabine Hölper
Frank Pawlitschek ist einer der drei Geschäftsführer von Ubitricity.
Frank Pawlitschek ist einer der drei Geschäftsführer von Ubitricity.Foto: Thilo Rückeis

Für viele ist es ein sonntägliches Abendritual: Erst Tagesschau sehen, dann Tatort, anschließend Günther Jauch. Dass der Talkmaster so viel Zuspruch erhält, liegt auch am Ort, von dem aus er sendet: live aus dem Gasometer in Schöneberg.

Seit 1910 steht der Gasometer auf der Roten Insel, bis 1995 fungierte er als Gasspeicher. In den folgenden Jahren tat sich dann so gut wie gar nichts auf dem Gelände. Bis es Reinhard Müller 2007 kaufte und an der Torgauer Straße etwas europaweit Einmaliges schuf: den EUREF-Campus. EUREF steht für Europäisches Energieforum. "Führende Energiefachleute sagen uns nach, dass wir einer der Impulsgeber für die Energiewende in Deutschland sind", sagt Müller.

Auf der Sonnenterrasse des Cafés im Wasserturm, mit Blick auf das sich monoton drehende Windrad auf dem Dach vis à vis, hört man nur ab und zu eine S-Bahn vorbeifahren. Doch die Stille täuscht. Beim Rundgang übers Gelände wird deutlich, dass der Campus noch immer im Werden ist. 1.300 Menschen forschen und arbeiten derzeit hier, in vier Jahren sollen es 5.000 sein. Geht Müllers Plan auf, ist der Campus 2018 fertiggestellt, das Ziel eines klimaneutralen Stadtquartiers erreicht. Ein Hotel wird es dann geben, noch mehr Büros und Forschungseinrichtungen, 120 Wohnungen. Letztere werden in den Gasometer hineingebaut. Günther Jauch wird dann voraussichtlich nicht mehr aus Schöneberg senden. Der Veranstaltungsbereich unter der Kuppel wird aber bleiben. Schon heute finden hier rund 300 Events im Jahr statt, etwa die Berliner Klimaschutzkonferenz.

Draußen baggern, hämmern und bohren die Bauarbeiter. Drinnen, in den hübsch restaurierten Gebäuden, wird ebenfalls mit Hochdruck gearbeitet. Vorwiegend junge Leute tüfteln an ihren Schreibtischen aus, wie künftige Energie- und Versorgungskonzepte aussehen könnten.

Wer hinter die Türen blickt, will nicht glauben, dass das Projekt "nicht mit Hosianna" begann, wie Müller sagt. Heute gruppiert sich das who is who der Energiewirtschaft um den Gasometer herum. Das sind Konzerne wie Siemens, Bosch oder Schneider Electric, ein französisches Unternehmen mit 24 Milliarden Euro Jahresumsatz. Da sind junge, innovative Start-ups wie Urban-e, ein Hersteller von elektrisch betriebenen Lastenfahrrädern, oder Ubitricity. Das 2008 gegründete Unternehmen will die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausbauen und deren Kosten drastisch senken. Das soll gelingen, indem man Steckdosen in Straßenlaternen installiert. Nicht nur Unternehmer fühlen sich wohl auf dem Campus, auch Wissenschaftler schätzen die Atmosphäre.

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